Einschüchternde Präzision

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Sol Gabetta fkn
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Sol Gabetta fkn

London Philharmonic,. Philharmonie.

Wenn es ein Orchester gibt, auf das der Begriff „Klangkörper“ zutrifft, dann ist es das London Philharmonic Orchestra – zu hören nicht nur bei Antonín Dvořáks symphonischer Dichtung „Die Mittagshexe“, die das Konzert im Münchner Gasteig eröffnete. Ein Höchstmaß an Synchronität in allen dynamischen Belangen war da zu bestaunen, dazu die absolute Präzision innerhalb der verschiedenen Instrumentengruppen und bei ihrem Zusammenwirken.

Einen großen Anteil an diesem Phänomen hat zweifellos Dirigent Vladimir Jurowski. Man beobachte nur seine linke Hand, die unermüdlich jedes kleinste Detail formt – fast so, als gelte es, eine feingliedrige Plastik zu erschaffen. Das Orchester reagiert verzögerungsfrei, sodass plastische, fast greifbare Klangfiguren durch den Raum schweben.

In Dmitri Schostakowitschs Werk spielen dialektische Gestaltungsprinzipien eine überragende Rolle, so auch im zweiten Violoncello-Konzert. Zum Ausdruck kommt dies im impulsiven, intensiven Spiel von Solistin Sol Gabetta auf der einen Seite und im fast monolithischen Musizieren des Orchesters auf der anderen. Zwei Wahrheiten scheinen hier aufeinander zu prallen.

Auch die Auszüge aus Tschaikowskys „Nussknacker“ künden vom einschüchternden Niveau des Londoner Ensembles. Da ist es fast beruhigend zu hören, dass zwei Flöten sich eine kurze Passage lang Unpräzises leisten. christof fiedler

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