RICHARD-STRAUSS-FESTIVAL GARMISCH-PARTENKIRCHEN WANDELT SICH MIT LEITER ALEXANDER LIEBREICH

Eine Metamorphose

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von tanja Brinkmann. Es ist eine Verwandlung, eine Metamorphose, die das Richard-Strauss-Festival vom 22. Juni bis 1. Juli in Garmisch-Partenkirchen und Umgebung mit Alexander Liebreich vollzieht.

Das zeigt sich bei den Veranstaltungsorten – neben zwei Klassik-Open-Air-Konzerten im Innenhof von Kloster Ettal erwarten die Besucher Musik-Wanderungen und Abende in Schloss Elmau – genau wie beim Programm. Der neue Künstlerische Leiter widmet sich nicht allein Strauss’ Werken, vielmehr setzt er diese in Kontext zu anderen Komponisten und Epochen. Eine differenzierte Betrachtung der Künstlerpersönlichkeit Richard Strauss, die kritische Erinnerung an historische Ereignisse sowie die künstlerische Reflexion des Jahres 1938 und seine Folgen bilden einen Schwerpunkt des Festivals.

Eine bedeutende Rolle spielt dabei das Brno Philharmonic Orchestra, das die Abende im Kloster übernimmt. Auf dem Programm steht neben Strauss’ Alpensinfonie und „Also sprach Zarathustra“ auch „Romeo und Julia“ von Sergej Prokofjew, der zwei Jahre in Ettal gelebt hatte. Das ist die eine Verbindung.

Die andere spannt sich in Richtung Brünn in der damaligen Tschechoslowakei, wo dieses Ballett 1938 uraufgeführt worden war. Im selben Jahr hatten Adolf Hitler, Neville Chamberlain, Édouard Daladier und Benito Mussolini in der heutigen Musikhochschule am Königsplatz das „Münchner Abkommen“ unterzeichnet, das die Angliederung des Sudetenlands ans Deutsche Reich zur Folge hatte. Die dramatischen Ereignisse haben bis in die Gegenwart ihre Spuren hinterlassen, meint Liebreich.

Deshalb hält er gemeinsames Musizieren heute für wichtiger denn je, „um wieder aufbrechende Gräben zu überwinden“. Mit der ersten internationalen Richard-Strauss-Orchesterakademie, einer Kooperation von Hochschulen in Prag, Brünn, Katowice, Krakau, München und Nürnberg, setzt er ein entsprechendes Zeichen. Aber auch die „Open-Stage“, zu der die Musikschulen aus Garmisch-Partenkirchen und Murnau eingeladen sind, passt zu Liebreichs Ansatz.

Neben der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die im Tanzprojekt zu „Romeo und Julia“ mit der Choreografin Christa Coogan fortgesetzt wird, liegt dem Künstlerischen Leiter besonders an der Natur. Die Bergwelt rund um seine Garmisch-Partenkirchner Wahlheimat diente Strauss als Ort zum Krafttanken, aber auch als wichtige Inspirationsquelle. Bei zwei Musik-Wanderungen – die eine führt durch die Partnachklamm aufs Graseck, die andere an der Ammer entlang zur Ettaler Mühle – will Liebreich seinen Gästen ermöglichen, dies nachzuspüren.

Das Budget fürs Festival soll in diesem Jahr eine Million Euro umfassen – fast dreimal so viel wie bisher. Der Beitrag der Gemeinde Garmisch-Partenkirchen in Höhe von 330 000 Euro steht. Wie viel Geld von Sponsoren fließt, darüber hüllen sich die Verantwortlichen in Schweigen. Auch der Zuschuss vom Freistaat ist bislang nicht schriftlich fixiert. Dem Vernehmen nach stehen 180 000 Euro im Raum – eine Steigerung, wenn man bedenkt, dass es zuletzt lediglich 70 000 Euro waren. Somit vollzieht sich auch in Sachen Finanzen ein Wandel.

Weitere Informationen

gibt es unter www.richardstrauss-festival.de.

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