Eine nie ganz zu fassende Sehnsucht

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Barbara Wussow, die in „Glück“ die Luise spielt, trauert auf der Premierenfeier um Margit Bönisch. Trost spendet ihr Mann Albert Fortell. Foto: Breuel-Bild

Trotz Margit Bönischs Tod hatte an der Komödie das Beziehungs-Stück „Glück“ in der Regie von Michael Wedekind Premiere. Von Malve Gradinger.

Wie viele Regal-Meter wohl die Glücksliteratur in den Bibliotheken füllt? Denn Glück ist ja Gegenstand einer komplexen, jeweils individuell verstandenen, ergo nie ganz zu fassenden Sehnsucht. Eric Assous, in Frankreich eine feste Größe als Drehbuch- und Theaterautor, untersucht in „Le bonheur“ von 2012 die (Glücks-)Beziehung in reiferen Jahren. Die fällt einem mit 50 plus nicht mehr in den Schoß. Die erkämpft man sich, wie jetzt in der Komödie im Bayerischen Hof erlebt, mit Taktieren, mit verbalem Hauen und Stechen. Was einen Heidenspaß macht, so wie Michael Wedekind seine Protagonisten Barbara Wussow und Peter Bongartz in die Beziehungsschlacht schickt.

Gleich nach der ersten Nacht in Luises lichtem Single-Loft (Thomas Pekny) zeigen sich Unvereinbarkeiten: Alexandre, ein Nicht-Frühstücker, muss gleich los, um seine Eltern vom Bahnhof abzuholen. In Wahrheit sind es Ex-Gattin und seine drei Kinder. Luise hingegen liebt Toast und Nachkuscheln, schließt die Eingangstür ab. Und schon heizt sich die Komödie auf mit Luises hartnäckigem Verhör und ihrem Manövrieren zwischen weiblichem Umschnurren, dann wieder beinharter Gefangenhaltung des Liebhabers. Und mein Gott, wie die Wussow das kann: feminin, resolut, eine Frau eben, die handelt „wie ein Kerl“. Was Alexandre – sympathisch knurrig von Peter Bongartz – nicht passt. Ihr wiederum missfällt, dass ein Mann „reinschneit, konsumiert und wieder abhaut“. Glorreiche Wortgefechte, Alexandres absturzgefährdete Fassadenkletterei und Polizei-Hilferuf zwecks Entkommen und dagegen Luises trockenes: „Der Zweck heiligt die Mittel“. Die beiden Kampfhähne offenbaren ihre Vergangenheit, gestehen sich ihre Lebenseinstellung, unterstützen sich beruflich. Darauf Eheschließung. Und Luise bleibt bei ihrem Entschluss „Ich werde dich glücklich machen“ treu – sogar, großzügig verzeihend, nachdem der Filou gestanden hat, dass er zwischenzeitlich mit Exfrau Cécile genächtigt hat – mit „fruchtbaren“ Folgen. So finden Spätlese-Lover zueinander. Übrigens: das französische „bonheur“ heißt wörtlich „gute Stunde“. - Noch eine Glücksdeutung. Wie auch immer: ein hinreißend realistischer Abend!

Weitere Vorstellungen

bis 12.3.; 089/ 29 16 16 33.

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