Eine Frau geht ihren Weg

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Die ARD zeigt heute „Die Fischerin“ mit Alwara Höfels. Von Elena Zelle.

Zerrüttete Familienbande und Schuldgefühle sind die Motive, die die Handlung in „Die Fischerin“ in der Regie von Jan Ruzicka vorantreiben. Die ARD strahlt den Heimatfilm heute ab 20.15 Uhr aus.

Meike (Alwara Höfels) hat in Berlin ihr Glück gefunden. In wenigen Wochen wird die alleinerziehende Mutter Geschäftsführerin eines italienischen Restaurants in Berlin. Außerdem hat sie sich in den Koch Sascha verliebt, der ihrem Sohn Paul ein Ersatzvater ist. Doch aus ihrem Alltag wird sie durch den Anruf eines Bekannten gerissen. Ihr Vater, der Fischer, hatte beim Angeln einen Herzinfarkt. Meike kehrt zurück in ihr Heimatdorf am Bodensee, um sich um ihn zu kümmern. Sie tauscht die Kellner-Schürze gegen die Angler-Hose. Was als Tausch auf Zeit gedacht ist, bringt ihr Leben durcheinander.

Zurück am Bodensee reagiert Vater Erich (Rüdiger Vogler) unterkühlt auf seine Tochter, der Tod von Meikes Bruder steht zwischen ihnen: Michael ist vor Jahren im Bodensee ertrunken. Und dann sieht der kauzige alte Fischer seinen Enkel Paul (Joshio Oenicke) zum ersten Mal. Paul lernt nicht nur seinen Opa, sondern auch seinen Papa kennen und findet zu beiden schnell einen Draht.

Für Meike ist die Begegnung mit ihrer Vergangenheit schwierig. Sie gesteht ihrer Jugendliebe Markus (Golo Euler), dass er Pauls Vater ist. Ihre Liebe zerbrach am Tod des Bruders. Trotzdem kommen zwischen Meike und Markus Gefühle wieder hoch. In dieses Wirrwarr platzt Meikes Freund Sascha (Max von Thun) hinein: Er kommt aus Berlin. Meike muss sich entscheiden.

Im Zentrum der Geschichte steht die Selbstfindung von Meike, einer attraktiven und selbstständigen Frau. Nur ihren Stolz hat sie gemein mit der Maria Gassl, der „Fischerin vom Bodensee“ aus einem der Klassiker des deutschen Heimatfilms. Vor 60 Jahren gab es ein glückliches Ende für das arme Fischermädchen und Hans, den reichen und netten Sohn eines Fischzüchters, der nach dem Willen seiner Eltern eine reiche Erbin heiraten sollte. Für Meike dagegen sind die Ehe und ein Leben im Schatten ihres Mannes kein Thema. Auch äußerlich hat sich einiges verändert im Süden Baden-Württembergs. Soziale Unterschiede haben sich verwischt. Von ihrem Fang können heute alle Fischer leben, dieser ist aber wegen der Gefahr der Überfischung limitiert, was streng überwacht wird. Die Trachten sind längst eingemottet, aber ein Rummel mit den Uraltkarussells erinnert Meike an ihre Kinderzeit.

Im Klassiker der Fünfzigerjahre war es Hans’ Vater, der seiner Frau jahrelang vorflunkerte, er sei der Vater von Maria. Damit zerstörte er fast das aufblühende Glück seines Sohnes. Heute verzichtet die junge Mutter freiwillig auf Alimente. Und ein uneheliches Kind ist schon lange keine Schande mehr.

So wurde der Heimatfilm an die Gegenwart angepasst. Und zugleich realistischer. Die „Fischerin vom Bodensee“ war damals ein modernes Märchen um den Traum vom Glück in Gestalt eines reichen Prinzen. Ruzickas Geschichte erzählt dagegen von einer emanzipierten, mit beiden Beinen im Leben stehenden Frau, die ihr Schicksal in die eigene Hand nimmt. Sie wählt das Beste für ihren Sohn und sich. Denn unter einem Happy End verstehen Frauen heute etwas anderes als ihre Großmütter.

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