CLAUS PEYMANN LAS BERNHARD AN DEN KAMMERSPIELEN

Eine Erregung

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Claus Peymann auf der Bühne der Kammerspiele. Foto: leic

von Michael Schleicher. Da steht Claus Peymann in den Münchner Kammerspielen und sagt, er habe „Lampenfieber, gar ein wenig Angst“.

Dabei wurde der 80-Jährige in seiner langen Karriere so oft als unerschrockener Theater-Berserker porträtiert (und hat manches dafür getan, den Titel zu tragen): Als streitbarer Direktor im Stuttgart der Siebziger sammelte er Geld für den Zahnersatz der inhaftierten Gudrun Ensslin, als Chef der Wiener Burg lehrte er manchem Österreicher das Fürchten, und seinen Abschied als Intendant des Berliner Ensembles 2017 begleitete er, eh klar, mit zornigem Grollen.

Apropos Wutausbrüche: Peymann ist hier, um „Holzfällen“ zu lesen; Thomas Bernhard (1931-1989) gab seinem Roman den Untertitel „Eine Erregung“. Die Tradition der Kammerspiele mache ihn nervös, charmiert Peymann, bevor es losgeht. Das Haus sei „Seele und Bewahrungsort für Schauspielkunst und Literatur“. Und er dankt Intendant Matthias Lilienthal: „Ihm, dem man einseitig Modernität vorwirft, der aber einen so großen Toleranzbegriff hat und jemanden wie Peymann einlädt.“

Der Theatermann erinnert an die großen Künstler, die hier spielten: „Wenn die jetzt zuhören – das ist Bayern München gegen Werder Bremen.“ Da ist natürlich ein großes Stück Koketterie dabei. Denn Peymann liebt und beherrscht das Vorlesen. Ein roter Ohrensessel, der als Thron durchgehen könnte (eine Assoziation, die Peymann sicher als angemessen betrachten würde), wird ihm zur Bühne auf der Bühne. In einem solchen sitzt auch der Ich-Erzähler in Bernhards 1984 erschienenem Roman, von diesem Platz aus beobachtet und kommentiert er das „künstlerische Abendessen“, zu dem das Ehepaar Auersberger zu sich in die Wiener Gentzgasse geladen hat. Bernhards Alter Ego, zunächst verärgert über sich selbst („du kennst alle zu diesem Abendessen Eingeladenen und gehst trotzdem hin“) nutzt die Zeit zur bitteren Analyse des (Kultur-)Bürgertums, Wien-, Österreich-, Menschen-Hass inklusive. Peymann, den es kaum auf dem Sessel hält, rauscht sehr unterhaltsam durch den geschickt gekürzten Text – und freut sich am Ende über Jubel und Standing Ovations.

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