„Ein Schauspieler muss zuhören können“

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Autogramme für die Fans: Alan Rickman bei der Premiere seines Films in Wien. Foto: herbert neubauer/ dpa

Alan Rickman über seinen neuen Film, seine liebste Leinwand-Partnerin und „Harry Potter“. Jüngeren Kinofans ist Alan Rickman vor allem als zwielichtiger Zaubertrank-Lehrer Severus Snape aus den acht „Harry Potter“-Filmen bekannt.

Zudem hat der distinguierte Brite einige der berühmtesten Kino-Bösewichte aller Zeiten erschaffen – darunter der perfide Gentleman-Terrorist aus dem ersten „Stirb langsam“-Film oder der gierige Sheriff von Nottingham in der „Robin Hood“-Adaption mit Kevin Costner. Beim Filmfestival von Marrakesch sprachen wir mit dem 69-Jährigen über seinen Film „Die Gärtnerin von Versailles“, der am Donnerstag in unseren Kinos anläuft.

-In Ihrem neuen Film spielen Sie nicht nur König Ludwig XIV., sondern haben auch Regie geführt. Wird man da nicht schizophren?

Zugegeben, die Gefahr besteht. Eigentlich wollte ich auch gar nicht mitspielen. Die Produzenten haben mich dazu gezwungen, weil der Film dadurch billiger wurde und vielleicht mehr Zuschauer anlockt. Aber es gab noch größere Herausforderungen.

-Nämlich?

Die extrem kurze Drehzeit. Das völlig unberechenbare englische Wetter. Eiseskälte, strömender Regen, Schlammmassen. Zum Glück hatte meine Hauptdarstellerin Kate Winslet keine Scheu davor, sich dreckig zu machen. In einer Szene mit uns beiden drehte plötzlich der Wind, sodass wir fortan in einer Einflugschneise lagen und für jeden Take bloß noch 30 Sekunden hatten. Das ging nur, weil Kate und ich uns seit unserer ersten Zusammenarbeit bei „Sinn und Sinnlichkeit“ vor 20 Jahren bedingungslos vertrauen – und weil sie so eine verdammt gute Schauspielerin ist.

-Was macht einen guten Schauspieler aus?

Vor allem muss man gut zuhören können. Entscheidend ist nicht, was du sagst, sondern vielmehr, warum du etwas sagst. Der Zuschauer spürt genau, ob du zugehört und mitgedacht und mitgefühlt hast.

-An welchen Leinwand-Partner haben Sie die schönsten Erinnerungen?

Mir ist es immer wichtig, dass man gemeinsam lachen kann. Insofern hatte ich großes Glück: Sowohl Kate als auch Emma Thompson, Helen Mirren oder Maggie Smith haben einen hinreißenden Sinn für Humor, wobei Maggie vielleicht die Lustigste von allen ist. Was sie am Filmset so alles von sich gegeben hat, könnte ich Ihnen jedoch niemals erzählen: Erstens würden Sie mir sowieso nicht glauben, und zweitens würde Maggie mich umbringen!

-Wieso hat es nach Ihrem Kino-Regiedebüt „The Winter Guest“ nun fast 18 Jahre bis zu Ihrer nächsten Regiearbeit gedauert?

Weil ich keine Zeit dafür hatte. So eine Kinofilm-Regie bedeutet anderthalb Jahre intensive Arbeit – und im vergangenen Jahrzehnt hat mich „Harry Potter“ jedes Jahr zwei Monate in Beschlag genommen.

-Wie fühlt es sich an, eine Filmfigur wie Severus Snape zehn Jahre lang zu entwickeln?

Ach, wissen Sie, bei „Harry Potter“ ging es nicht um Figurenentwicklung oder psychologische Feinarbeit, sondern vor allem um Effizienz. Das war eine gigantische Maschinerie mit einem Heer von Beteiligten. Im Nachhinein finde ich es schon lustig, sich auf der Leinwand langsam altern zu sehen. Aber ich frage mich: Hätte der große Zaubertrank-Meister Snape sich nicht einfach mit einem Trank ewige Jugend anzaubern können?

-Wie hat sich die Filmindustrie in all den Jahren verändert?

Den ersten „Potter“-Film haben wir vor Ort an echten Schauplätzen in Schottland oder in Oxford gedreht. Beim letzten Film standen wir bloß noch vor einer riesigen grünen Leinwand, und der Rest kam komplett aus dem Computer. Für uns Schauspieler macht das keinen Unterschied – wir starren immer noch auf Kameras, Scheinwerfer und einen Haufen Leute mit Klemmbrettern. Für die Klemmbretter-Halter ist das eher ein Problem: Denen wird vor lauter Grün oft ganz schwindlig!

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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