ED SHEERAN, GAR NICHT SO WEICHGEKOCHT WIE IM RADIO, BEGEISTERT GANZ ALLEIN DAS AUSVERKAUFTE OLYMPIASTADION

Die Ein-Mann-Band im Wohnzimmer

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von Armin Rösl. München – Spötter behaupten, Ed Sheeran sei ein weichgekochter Schmusesänger, der ein bisschen aussieht wie das Sams aus dem Kinderbuch.

All jenen sei empfohlen: Besucht ein Konzert von ihm. Wenn das Sams mit jedem Punkt im Gesicht einen Wunsch erfüllt, so erfüllt Ed Sheeran alle Wünsche, ohne einen Punkt dafür verlieren zu müssen und am Ende punktlos keinen Wunsch mehr erfüllen zu können. Vereinfacht gesagt: Der 27-jährige Brite ist die größte, beste und sympathischste One-Man-Band der Welt.

Richtig gelesen: Ed Sheeran steht am Sonntagabend allein auf der Bühne im ausverkauften Olympia-Stadion, um den Hals eine Gitarre, zu seinen Füßen eine Loop-Maschine, die er mit seinen eigenen Klängen und eigenem Sound füttert, fertig ist die Kiste. Und live ist die Stimme gar nicht so schlimm wie im Radio, weil gar nicht so weichgekocht. „Ich bin der Entertainer, ihr seid mein Background-Chor“, gibt er, auf Englisch, das Ziel vor. Und: „Ich gebe 110 Prozent, ihr tanzt, singt, schreit. Beim Singen müsst ihr gar nicht zu hundert Prozent jeden Ton treffen. Habt einfach Spaß!“

Den haben die gut 60 000 Menschen am Sonntagabend im ausverkauften Olympia-Stadion. Ach, was heißt hier Stadion? Mit seinem Charme, mit seinem unaufgeregt Auftreten und seinen netten und manchmal selbstironischen Anekdoten, die er schmunzelnd wie ein Lausbub erzählt, verwandelt er das Stadion in ein Wohnzimmer. Natürlich tun die Songs ihr Übriges, gleich zu Beginn legt Sheeran mit „Castle on the Hill“ einen seiner großen Hits vor. Später, bei romantischen Songs wie „I see fire“, bekommen selbst ausgewachsene Männer Gänsehaut. Party- und Tanz-Stimmung hingegen bei „Galway Girl“ und „Perfect“. Nicht vergessen: Ed Sheeran steht allein auf der Bühne.

Weil das Mobilfunknetz während des Konzerts fast gar nicht funktioniert, immer wieder zusammenbricht, verzichten viele viele Fans aufs Live-Mitfilmen und direkte Teilen in sozialen Netzwerken, sondern genießen das Konzert, wie es zu jenen Zeiten üblich war, als die Geschichte vom Sams veröffentlicht wurde. Und so erfüllt sich sogar ein Wunsch von Ed Sheeran, den er zu Beginn (noch bei leichtem Tageslicht) geäußert hat: „Ihr schaut nach vorne und seht mich, ich schaue zu euch und sehe euch alle.“ Heute, Montag, spielt die unglaubliche One-Man-Band noch einmal im Olympia-Stadion. Das ist erneut ausverkauft, und wird wieder zum größten Freiluft-Wohnzimmer der Welt.

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