Eigenwillig

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Pianist Igor Levit zu Gast im Prinzregententheater. von anita svach.

Der 1987 geborene Igor Levit ist kein neuer Star am Pianisten-Himmel. Spätestens seit seiner Debüt-CD 2013 mit den späten Beethoven-Sonaten ist er in aller Munde und für seine zweite CD mit Bachs Partiten wurde er gerade mit dem Echo-Klassik ausgezeichnet. Am Sonntag gastierte er mit Werken von Bach und Beethoven im Münchner Prinzregententheater.

Von historisch fundierter Aufführungspraxis ist seine Interpretation weit entfernt: Aus Bachs Partita Nr. 2 in c-Moll, ursprünglich für Cembalo geschrieben, macht er eine verträumte und zutiefst romantische Musik, vor allem die starke Benutzung des Pedals ist gewöhnungsbedürftig. Unglaublich diszipliniert spielt er sich durch die Partita. Jeder Anschlag, ja jede noch so kleine Nuance, scheint perfekt geplant. Levit zeichnet Melodien, er singt am Klavier. Große Unterschiede zu Beethoven sucht man vergeblich. Auch hier betont er Melodiebögen, kostet die motivischen Gegensätze aus: Das liebliche dolce-Thema des Menuetts aus der Sonate op. 54 prallt ungehindert auf das harte zweite Thema des Trios. Mit seinem freien Fuß trampelt Levit die Oktavtriolen mit, stampft auf den Boden – nur um gleich wieder die Kontrolle über sich und sein Spiel zu erlangen. Trotz viel Pedal und perlendem Anschlag nimmt er jede Linie mit Ernsthaftigkeit.

Die Pause vor dem Allegro molto der Sonate op. 110 nutzt Levit, um mit seinen Fingern über den Tasten vorzufühlen auf das, was kommt. Zwischen Busonis Fantasia nach Johann Sebastian Bach und Beethovens letzter Sonate op. 111 erhebt er sich nicht mal mehr vom Klavierhocker. Klanglich ist alles eins. Erst im letzten Satz von op. 111 lässt Levit los, kokettiert mit den zukunftsweisenden, jazzigen Rhythmen und freut sich an der Musik. Ein eigenwilliges, junges Genie.

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