Durchtränkter Abend

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Flogging Molly, Zenith.

Das fehlvermarktete Klischee will es, dass so mancher beim Thema „Irish Folk“ an melancholietrunkenes Tin-Whistle-Geflöte und ätherische Gesänge von üppiggrünen Auenländern mit Koboldbefall denkt. Flogging Molly, die Punk-Folk-Band des in die USA eingewanderten Iren Dave King, konzentriert sich eher auf das andere Klischee, das Iren weltweit vorauseilt: die Liebe zum Leben, zum Feiern und zum oktanhaltigen Getränk.

In der Tat ist man spätestens ab dem zweiten Song gewillt, sich gepflegt einen anzuzwitschern. Und mit dem Abend wächst die grundsätzliche Bereitschaft, mal einer zünftigen Kneipenschlägerei beizuwohnen. Zum Glück kommt das nicht mal ansatzweise infrage. Die Stimmung im vollen, halb abgehängten Zenith ist von der ersten Sekunde an fantastisch. Die Bühne erstrahlt in den irischen Nationalfarben, während die Band nach einem Intro vom Band in den nagelneuen Titel „The Hand of John L. Sullivan“ übergeht. Becher fliegen quer durch die Halle, Bier spritzt, und auch auf der Bühne feiert man den letzten Auftritt der bislang besten Europatour, wie King euphorisch berichtet, mit dem einen oder anderen Bier.

Nach gut zwei sehr kurzweiligen Stunden dampft das Publikum, weil wirklich keiner stillstehen konnte. Flogging Molly musizieren eben auf Wirkung, nicht auf Inhalt. Die fugenlos zusammenwirkende Mischung aus Sauflied, traditioneller irischer Musik und Punkrock ist dabei durch und durch positiv durchtränkt – und das Repertoire der sieben Haudegen dank ihrer sechs CDs umfangreich. Gemäß dem Album- und Tour-Motto „Life is good“ geben die Musiker ihren Fans den guten Rat mit, das Leben zu genießen, anstatt es allzu ernst zu nehmen. Passend dazu gibt’s Monty Pythons „Always look on the bright Side of Life“ vom Band – und die ganze Halle singt mit, während King großzügig schwarze Bierdosen ans Publikum verteilt. christoph Ulrich

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