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DER ZDF-DREITEILER „HONIGFRAUEN“ ERZÄHLT VON EINER UNGARNREISE JUNGER DDR-BÜRGERINNEN, DIE ZUM DRAMA WIRD

Dunkle Wolken über dem Paradies

Von martin Weber. Die Berliner Mauer, Stacheldraht und öde Plattenbauten, in denen finstere Schergen der Stasi ihre arglosen Nachbarn bespitzeln, gehören in der Regel zur Grundausstattung eines Film- oder Fernsehdramas über die DDR.

Insofern ist dieser Dreiteiler eine echte Ausnahme. „Honigfrauen“, zu sehen von diesem Sonntag an wöchentlich jeweils um 20.15 Uhr im ZDF, spielt in den Achtzigerjahren am Plattensee in Ungarn, der damals für viele DDR-Bürger ein beliebtes Ziel war. Bunte Zelte, Bikinis und gut gelaunte Urlauber aus beiden Teilen Deutschlands dominieren das Bild, die Stimmung ist fröhlich und ausgelassen.

Schon bald aber gibt es Ärger im Paradies, denn die Stasi ist auch in Ungarn nicht weit – schließlich will der DDR-Staatsapparat wissen, was seine Bürger aus Dresden oder Magdeburg im Urlaub so treiben, und vor allem, mit wem aus Hamburg oder München sie am Balaton (auch die Ostdeutschen verwendeten die ungarische Bezeichnung) Kontakte knüpfen. So wird aus einem anfangs eher leichtfüßigen Roadmovie über zwei junge Schwestern aus Erfurt, die ein bisschen Freiheit suchen, ein Drama über Liebe und Verrat.

Als „Honigfrauen“ bezeichneten Touristen aus dem Westen junge DDR-Bürgerinnen, mit denen man am Plattensee für einen kleinen Urlaubsflirt anbandeln konnte. Auch die hübschen Schwestern Catrin (Cornelia Gröschel) und Maja (Sonja Gerhardt) fallen ohne ihr Wissen in diese Kategorie – die beiden Erfurterinnen machen sich im Sommer des Jahres 1986, drei Jahre vor dem Fall der Mauer, per Anhalter auf den Weg an den Balaton. Auf dem Campingplatz finden sie in dem sympathischen Rudi (Franz Dinda) und anderen jungen Leuten schnell Freunde, mit denen sich gut feiern lässt. Außerdem hat der großzügige ungarische Hotelbesitzer Tamás Szabo (Stipe Erceg) ein Auge auf die beiden Schwestern geworfen. Er verschafft ihnen nicht nur Zugang zur luxuriösen „Balaton-Residenz“, in der vornehmlich Touristen aus der Bundesrepublik untergebracht sind, sondern beschenkt sie auch mit teuren Klamotten aus dem Fundbüro seiner Nobelherberge.

Schon bald aber ziehen dunkle Wolken auf. Stasi-Spitzel in Badehosen, die im DDR-Jargon sogenannte „Balaton- Brigade“, haben es auf Catrin und Maja abgesehen, ihr Zelt wird verwanzt, außerdem schleicht ein komischer Typ durch die Gegend, der die Schwestern beobachtet. Die beiden wissen nicht, dass Erik Waller (Dominic Raacke) Catrins biologischer Vater ist. Der Mann ist extra aus der Bundesrepublik angereist, um nach 25 Jahren zum ersten Mal seine Tochter zu sehen. Als Catrins Mutter Kirsten (Anja Kling) davon erfährt, macht sie sich mit ihrem Mann Karl (Götz Schubert) ebenfalls auf den Weg, um zu verhindern, dass ihr lange gehütetes Geheimnis verraten wird. Doch nicht nur Kirsten, auch die lustige Urlaubsbekanntschaft Rudi und Hotelbesitzer Tamás haben etwas zu verbergen.

Mit „Honigfrauen“ ist Regisseur Ben Verbong ein spannendes deutsch-deutsches Drama gelungen, bei dem die allgegenwärtige Repression der DDR-Diktatur aus einer ungewöhnlichen Perspektive beleuchtet wird. „Ich wollte diese Geschichten auch mal in bunten sommerlichen Farben erzählen, um zu zeigen, dass sich das Böse und Bedrohliche nicht nur in finsteren Räumen versteckt, an deren Wänden Bilder von Erich Honecker hängen“, sagt Natalie Scharf, die gemeinsam mit Christoph Silber das Drehbuch geschrieben hat. Gedreht wurde der Dreiteiler am Originalschauplatz, wo die Produktionsfirma extra einen kompletten Campingplatz im typischen Gewand der Achtzigerjahre auf die Wiese stellte.

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