Doppelspiele im Frühsommer

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Politisch motiviert ist „Made in Bangladesh“ von Helena Waldmann. foto: dance

Das finanziell nun besser ausgestattete Münchner Dance-Festival präsentiert zwanzig internationale Produktionen. München, das globale Tanzdorf!

Zumindest vom 7. bis 17. Mai. In diesen elf Tagen präsentiert die 14. städtische Dance-Biennale zwanzig Produktionen unter anderem aus China, Japan, Kanada, USA, Israel, Frankreich, Belgien und Deutschland. Ermöglicht wird das stattliche Programm, weil die Stadt – mit einem gewissen Ehrgeiz zur Internationalität – das Budget um 95 000 auf 800 000 Euro erhöhte. Ermöglicht aber auch, weil sich Theater, Akademien und Kulturinstitutionen engagiert beteiligen.

Zwecks Freiluft-Events wird Dance vom traditionellen Spätherbst-Termin in den Frühsommer vorverlegt. Das Motto, ganz unkompliziert, ist „Vielfalt“. Immerhin will Dance schwerpunktmäßig zeigen, wie Tanz und Choreografie andere Künste – nicht zuletzt die zeitgenössische Musik (bei Dance oft live zu hören!) – inspirieren können und umgekehrt. In dieses interdisziplinäre Genre fällt die Uraufführung „The Land“ von Peeping Tom, hierorts schon fast Stammgast, mit Schauspielern des hiesigen Residenztheaters. Die Gruppe präsentiert aber auch mit ihren eigenen Akteuren das Stück „Vader“ (Vater). Man kann also eine Compagnie in mehreren Facetten erleben.

Dieses „Doppelspiel“, wie Dance-Kuratorin Nina Hümpel es nennt, ist eine absichtsvolle Festival-Strategie. Andere Choreografen zeigen ein Stück und reflektieren es an einem weiteren Abend in einer Lecture-Performance, die gerade sehr im Trend liegt. Verschiedene mögliche „Formate der Lecture-Performance“ – halb konkret-sinnliche Aufführung, halb akademische Lecture – werden von Dramaturgin Katja Schneider in einem dreitägigem Symposium abgehandelt.

Keine Angst: Dance scheint nicht kopflastig zu werden. Alte Bekannte kommen mit neuen Stücken: „Landscape“ des immer auch bildnerischen Japaners Saburo Teshigawara verspricht, zu Bach, Cage und Techo-Kompositionen von Francesco Tristano Räume innerer Versenkung zu schaffen. In dem Dreiteiler von Richard Siegal erwarten uns, neben Siegals „Unitxt“ (bereits im Staatsballett-Repertoire) das Stück „Metric Dozen“ und sogar eine Uraufführung. Und wenn die politisch engagierte Helena Waldmann uns vor Jahren aus dem Iran ein Stück mitbrachte, in dem Iranerinnen, denen das Tanzen verboten ist, dennoch in sie verbergenden kleinen Zelten tanzten, dann hebt ihr „Made in Bangladesh“ mit rhythmisch stampfendem Kathak-Tanz aufs unaufhörliche Nähmaschinen-Geratter der Billigklamotten-Fabriken ab.

Aber es gibt für uns auch ganz neue Gruppen und Choreografen zu entdecken: Kaori Ito lotet in ihrem „Asobi“ den Wunsch ihrer männlichen Landsleute aus, in der sozial stark reglementierten japanischen Gesellschaft mal über die Stränge zu schlagen. Bei Ito dürfen es auch die Frauen! Der Amerikaner Trajal Harrell und sein Männer-Ensemble kreuzen Voguing und Drag-Welt mit der griechischen Tragödie. Da ist man doch gespannt. Genau so auf Christian Rizzos folkloristisch-zeitgenössisch gemixtes Powerstück für acht Männer. Es gibt noch mehr voraussehbar spannende Produktionen zwischen Ästhetik und politischem Anspruch, dazu Filme, Diskussionen, Workshops und einen 66-Stunden-Tanzmarathon. malve gradinger

Informationen:

www.dance-muenchen.de,

Vorverkauf ab 2. März, Telefon 089/ 54 81 81 81.

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