JUNGROCKER HIGHLY SUSPECT ÜBERZEUGEN IM STROM

Dolch auf der Schläfe

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von Dominik Göttler. Johnny Stevens ist der Albtraum einer jeden Schwiegermutter.

Die Klamotten drei Nummern zu groß, nicht vorzeigbarer Haarschnitt, Alkohol und Zigaretten auf der Bühne, dazu diese ständige Flucherei. Und dann auch noch die Tätowierungen überall im Gesicht. Ein Dolch. Auf der Schläfe. Himmelherrgott!

Aber zu Stevens’ Ehrenrettung sei gesagt: Das mit der Musik haben er und seine Bandkollegen von Highly Suspect schon irgendwie begriffen. Viel Herzschmerz in den Texten, viel Emotion und Können an den Instrumenten und dazu eine gesunde Prise amerikanischer Überheblichkeit – genau die Zutaten, die ein gelungenes Rockkonzert an einem Montagabend in einer kleinen Münchner Musikhalle braucht.

Die schlechte Nachricht für alle Mütter da draußen: Das Bad-Boy-Gehabe eines Johnny Stevens zieht. Bei der ausverkauften Show im Münchner Strom hat sich ein beachtlicher Anteil von Frauen eingefunden, um Stevens schmachtend dabei zuzuhören, wie er stimmgewaltig seinen Ex-Freundinnen nachtrauert. Songs über verflossene Liebschaften, Drogen und Depression, verpackt in ein donnerndes Hard-Rock-Gewand mit sanften Einflüssen vom Blues über den Punk bis zum Hip-Hop haben dem aus Neuengland stammenden Trio in den Staaten bereits eine mächtige Fangemeinde beschert. Und immer kräftiger schwappt die Welle der Begeisterung auch über den Atlantik.

Nach zwei starken Studioalben und mehreren Grammy-Nominierungen zeigte der Zwischenstopp in München, dass mit Highly Suspect auch in Zukunft gerechnet werden muss. Die bayerischen Fans erweisen sich als extrem textsicher und feiern den beinahe zweistündigen Auftritt mit kräftigen Gesangseinlagen und dem ein oder anderen Stagedive über den Köpfen der Menge. Und die drei Musiker toben sich auf der Bühne im Dunst der Nebelmaschine mit ausufernden Soli aus.

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