MAXIMILIAN BRÜCKNER ÜBER SEINE TITELROLLE IN IBSENS „BAUMEISTER SOLNESS“ AM MÜNCHNER VOLKSTHEATER

„Diesmal ist es besonders schlimm“

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Vor sieben Jahren war Brückner als Ibsens Peer Gynt zu erleben

GESPRÄCH VOR DER PREMIERE . von ulrike frick.

Halvard Solness ist kein netter Typ. Das macht Henrik Ibsen in seinem Spätwerk „Baumeister Solness“ ziemlich schnell klar. Ein Mann auf dem Gipfel seines Erfolgs, eher schon etwas drüber, der seine Konkurrenten alle erfolgreich weggebissen und die Familie unterjocht hat. Diesen Unsympathen spielt in der heutigen Premiere im Münchner Volkstheater Maximilian Brückner. Ausgerechnet dieser liebenswürdige Mensch, der sogar als Saarbrücker „Tatort“-Kommissar noch Gemütlichkeit verströmte und den so gar nichts aus der Ruhe zu bringen scheint?

Doch halt: In seinen jüngsten Fernsehrollen, demnächst als Crystal-Meth-süchtiger Bürgermeister von „Hindafing“ (BR) oder kürzlich in der ARD-ORF-Miniserie „Pregau“, kann man es erkennen: In diesem Maximilian Brückner gibt es auch einen finsteren Abgrund. Und wenn sich ein Regisseur die Mühe macht, den freizulegen, verwandelt sich der freundliche Mann aus dem Chiemgau in eine Furie, die alles umhaut, was sich ihr in den Weg stellt. Das aber bitte schön mit eiswürfelcoolem Killerblick und unschuldigem, immer leicht naiv wirkenden Lächeln.

Die Rolle des Solness ist für ihn dennoch eine große Herausforderung, betont der 38-Jährige. Gar nicht des Alters wegen. Obwohl man sich unter der Figur doch eher einen mindestens grau melierten Herrn jenseits der fünfzig vorstellte. „In unserer Gesellschaft gilt man ja oft mit 40 als zu alt für einen Job. Da bin ich inzwischen doch nah dran“, grinst er. „Das Stück funktioniert auch gar nicht allein als Drama eines alten Mannes.“ Was den Solness nach Brückners Ansicht kennzeichnet, ist vor allem dessen tyrannische Art. „Ein richtiger Kotzbrocken“ sei das, fast so etwas wie ein Borderliner. „Das braucht der, um überhaupt zu fühlen. Und dann kommt da dieses Mädchen, behauptet etwas und setzt damit eine wahnsinnige Kettenreaktion in Gang“, umreißt er die Inszenierung.

Regisseur und Volkstheater-Hausherr Christian Stückl hat einiges gestrichen vom Originaltext. „Ibsen macht immer diese Riesenschleifen, ehe er auf den Punkt kommt, bis dahin hat man die Anfangsfrage schon wieder vergessen. Das haben wir an einigen Stellen handlicher gemacht und manches heutiger gestaltet.“ Ein knallbuntes Slapstick-Feuerwerk wie die mittlerweile legendäre Castorf-Inszenierung an der Berliner Volksbühne wollten Stückl und Brückner aber nicht aus dem „Baumeister Solness“ machen. „Nein, das ist schon der echte Ibsen, was man bei uns sieht. Auch wenn bei dem immer vieles irgendwie flirrend ist und in der Luft hängt und schwer zu greifen ist.“

Brückner hat vor sieben Jahren als „Peer Gynt“ erstmals einen Helden des norwegischen Dramatikers gespielt und brauchte eine Weile, ehe er sich an die komplexen Texte gewöhnt hatte. „Aber dann erkennt man diese unglaubliche Schönheit, die in den Sätzen liegt.“ Dem Publikumsliebling ist sehr bewusst, dass das Stück nicht zum leicht verdaulichen Teil des Volkstheater-Repertoires zählt. So kurz vor einer Premiere sei er zwar immer aufgeregt, gesteht er. „Diesmal ist es schon besonders schlimm. Es geht um den puren Text. Das macht auf der einen Seite großen Spaß. Aber ich kann mich andererseits nicht hinter Kostüm, Maske oder Action verstecken.“

Vieles hat sich außerdem seit seinem letzten Ibsen geändert. Sowohl am Regiestil von Stückl, aber auch für ihn selbst, den inzwischen aus Kino und TV Bekannten. „Mit dem ,Brandner Kaspar‘ stehe ich zwar regelmäßig hier auf der Bühne. Das ist mittlerweile eine ganz spezielle Nummer, die sich mit nichts vergleichen lässt.“ An diesen Abenden sei auch das Publikum anders. Erst jetzt sei ihm wieder bewusst geworden, dass ihm bei den vielen Dreharbeiten für Film- und Fernsehproduktionen das Theater manchmal fehle. „Ich komme halt von der Bühne und stehe da nach wie vor wahnsinnig gerne drauf. Die unmittelbaren Reaktionen des Publikums zu spüren. Zu merken, wie die mitgehen. Das ist einfach großartig.“

Wenn sie das mal nicht so machen, hat Brückner zumindest für den Boandlkramer seine Tricks entwickelt, um die Zuschauer bei der Stange zu halten. „Das einfach nur runterrotzen, dafür ist meine Eitelkeit dann doch zu groß. Natürlich hat man manchmal Tage, an denen es nicht so läuft. Aber auf der Bühne springt dann spätestens der innere Motor an. Man will halt immer ein bisschen gefallen... Und am liebsten noch viel mehr als nur ein bisschen.“

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