AN DIESEM SAMSTAG STARTET DIE NEUE ARD-SENDUNG „ICH WEIß ALLES“, WIE SO VIELE ANDERE DAUERT SIE MEHRERE STUNDEN – WARUM?

Diese Shows bringen uns um den Schlaf

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Günther Jauch (li.) darf am Samstag selbst Ratekandidat sein. In der neuen Show „Ich weiß alles“. Dauer: fast 3 Stunden. F.: ARD

VOn Jörg Heinrich. Als Thomas Gottschalk noch die Nation vor dem Fernseher versammelte, dauerte sein „Wetten, dass..?“ offiziell bis 22.30 Uhr.

Und mit der üblichen Überziehung konnte es auch mal 23 Uhr werden. Das war spektakuläres Fernsehen in Überlänge. Heute wäre „Wetten, dass..?“ eher ein TV-Quickie. Denn mittlerweile sendet auch Thommy bis Mitternacht, wie am Freitagabend wieder auf RTL mit „Denn sie wissen nicht, was passiert“.

Die Bandwurm-Shows haben sich auf allen Sendern breitgemacht. Und Zuschauer, die bis zum Schluss durchhalten wollen, brauchen Sitzfleisch. Vielen geht es dabei wie Moderator Frank Buschmann, wenn er selbst vor dem Fernseher zuschaut: „Zwei Stunden fühle ich mich gut unterhalten, aber dann zieht sich’s oft wie Kaugummi.“ Motto: Hilfe, das Fernsehen bringt uns um den Schlaf!

Ebenfalls am Freitagabend lief auf Sat.1 das eigentlich so kleine und feine „Genial daneben“ in einer über dreistündigen Sonderausgabe. An diesem Samstag quizzt Jörg Pilawa im Ersten in der neuen Sendung „Ich weiß alles!“ bis 23.15 Uhr. Und an den vergangenen Samstagen dauerten dort „Verstehen Sie Spaß?“ und „Klein gegen Groß“, eine Sendung mit Kindern und auch für Kinder, je bis 23.30 Uhr. ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber erklärt, was aus Sendersicht dahintersteckt: „Es gibt viele Kinder, die sich mit ihren Eltern um 20.15 Uhr bewusst für ‚Klein gegen Groß‘ entscheiden und den Abend dann auch in der Familie mit Kai Pflaume und seinen kleinen und großen Stars erleben möchten. Da würde es keinen Sinn ergeben, nach einer Stunde oder 90 Minuten ein anderes Programm zu starten.“ Doch zentraler Grund fürs Maxi-Fernsehen sind die Marktanteile, um die die Sender ringen. Sie lassen sich spätabends deutlich steigern. Einfache Rechnung: Je mehr Zuschauer ins Bett gehen – desto mehr fallen die Unentwegten ins Gewicht, die bis 23 Uhr oder länger durchhalten.

Virtuoser Erfinder der Geisterstunden-Show war Stefan Raab mit „Schlag den Raab“, der 2014 mit einer Ausgabe bis 2.26 Uhr einen Rekord aufstellte, der im deutschen Fernsehen wohl nie mehr gebrochen wird – und im Ausland auch nicht, denn in England oder den USA dauern Shows wie „The Voice“ oder „X Factor“ meist maximal zwei Stunden.

Beim – im Übrigen extrem kurzweiligen – Raab-Dauerfernsehen saß Frank Buschmann am Mikro. „Buschi“ erinnert sich an legendäre Sendungen: „Wir haben bis zwei Uhr nachts oder noch länger mit Stefan Raab gelacht und geflucht. Und keiner ist dabei eingeschlafen.“ Sein Fazit zum Kaugummi-TV: „Das funktioniert nur, wenn das Konzept und die Figuren es auch tragen. Und das ist bei den wenigsten Sendungen der Fall.“

Seine eigene RTL-Show „Ninja Warrior Germany“, die am 21. September wieder startet, hat der Sender zum Auftakt zwar auch bis 23.05 Uhr verlängert (worauf der Moderator keinen Einfluss hat), doch zum Mitternachts-Spektakel soll sie nicht werden: „Vier, fünf Stunden – das langweilt mich. Und mir ist das auch als Moderator mittlerweile zu anstrengend.“

Doch die Regel sind drei Stunden und mehr, auch aus Kostengründen. Denn eine Sendung zu verlängern ist günstiger, als ein weiteres Format zu produzieren. Die Sender wissen, dass solche Shows zum Zappen einladen. Sprecher Wolfgang Utz vom SWR, der für „Verstehen Sie Spaß?“ zuständig ist, erklärt: „Gerade Show-Produktionen bestehen aus vielen Einzelelementen, sodass der Zuschauer problemlos aus- und wieder einsteigen kann.“ Und auch für die Kinder soll gesorgt sein: „Filme mit Kindern oder solche, die für Kinder besonders attraktiv sind, platzieren wir in der Regel in der ersten Hälfte der Sendung.“ Der Tipp von Thomas Schreiber: „Wer nicht bis 23.30 Uhr dranbleiben möchte, kann sich Sendungen wie ‚Klein gegen Groß‘ jederzeit, zum Beispiel am Sonntagvormittag oder Sonntagnachmittag, in der Mediathek anschauen. Auch dort sind sie sehr gefragt.“

Wen das lange Aufbleiben ermüdet, dem macht ausgerechnet ProSieben Hoffnung, der Erfinder solcher Formate. Sprecher Christoph Körfer verrät: „Bei uns geht der Trend eher wieder zu kürzeren Shows.“ Fernsehen in L oder XL statt in XXL: Wetten, dass sich viele Zuschauer darüber freuen würden..?

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