ZWEI DRITTEL DER KARTEN VERKAUFT: BREGENZER „CARMEN“ SCHON VIER MONATE VOR DER PREMIERE AUF REKORDKURS

Diese Oper sticht

Wie eine eingefrorene Filmszene: Bauarbeiten am Bodensee für das „Carmen“-Bühnenbild. foto: dietmar mathis
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Wie eine eingefrorene Filmszene: Bauarbeiten am Bodensee für das „Carmen“-Bühnenbild. foto: dietmar mathis

Vor den Festspielen . von Markus Thiel.

Zwanzig Mal mischen nützt nichts. Stets sagen die Karten dasselbe Schicksal voraus, unerbittlich und brutal: den Tod. Eine zentrale Szene aus Georges Bizets „Carmen“ ist das. So zentral, dass sie das Bühnenbild der neuen Bregenzer Seebühnen-Produktion bestimmt. Seit einiger Zeit wird daran gewerkelt, zur Freude von vielen Zaungästen täglich, die sich die Bauarbeiten nicht entgehen lassen. Zwei 20 beziehungsweise 24 Tonnen schwere Arme mit rot lackierten Fingernägeln ragen schon jetzt aus dem Bodensee, und dazwischen flattert wie im Standbild eines Films ein – noch unbemaltes – Kartenbündel.

Premiere der Inszenierung von Kaspar Holten im Bühnenbild von Es Devlin ist am 19. Juli. Es ist – nach Puccinis „Turandot“ – die zweite Freiluftproduktion in der Verantwortung von Intendantin Elisabeth Sobotka. Sie, die 2015 von der Grazer Oper nach Bregenz gewechselt ist, habe sich zuvor „noch nie als Baustellenleiterin gesehen“.

Doch die Verantwortung für die weltgrößte Opernbühne mit ihren besonderen technischen Erfordernissen taugt ihr sichtlich – zumal sich ja neben der Kommerzproduktion draußen noch viel Ambitioniertes verwirklichen lässt: Im Festspielhaus hat am 20. Juli Rossinis „Mosé in Egitto“ Premiere, auf der Werkstattbühne wird am 16. August die Kammeroper „To the Lighthouse“ von Zesses Seglias nach Virginia Woolfs Roman uraufgeführt. Das Bregenzer Opernstudio widmet sich Mozarts „Le nozze di Figaro“ (ab 14. August). Nach vier Jahren wird die Schauspielsparte wiederbelebt mit dem Migrationsstück „The Situation“, ein Gastspiel des Berliner Maxim Gorki Theaters. Zudem wurde eine Reihe von Konzerten angesetzt.

Finanziert wird das alles mit dem „Carmen“-Spektakel. Und schon jetzt zeichnet sich ab, dass diese Produktion sogar den „Zauberflöten“-Rekord von 2013 und 2014 brechen könnte. Insgesamt 406 000 Karten wurden damals verkauft, die Tribüne mit ihren knapp 7000 Plätzen war so gut wie immer voll. Zwei Drittel aller Tickets für den ersten „Carmen“-Sommer sind bereits weg. 28 Abende haben die Verantwortlichen geplant, eventuell gibt es – wie auch in anderen stark gefragten Jahren – einen Zusatztermin. Trotz allem möchte Elisabeth Sobotka, das Bizets Opernschlager nicht alles verdrängt. Rossinis „Mosé“ habe sie schon lange produzieren wollen, das selten gespielte Bibel-Stück (in München dirigierte Wolfgang Sawallisch in den Achtzigerjahren eine Produktion) bezeichnete die Intendantin als „Selbstgeschenk“. Auch hier laufe der Vorverkauf – wohl geschürt vom „Carmen“-Hype – ausgesprochen gut.

Damit nach zwei Jahren mit der populären Zigeunerin am Bodensee kein Einbruch droht, wurde bekanntlich schon der nächste Hit programmiert. 2019 und 2020 gibt es Verdis „Rigoletto“. Regie und Bühnenbild besorgt Philipp Stölzl, der gerade an der Bayerischen Staatsoper Giordanos „Andrea Chenier“ herausgebracht hat. Stölzl, Experte für großflächige, effektvolle Bildwirkungen, habe dementsprechend auf den Bregenzer Auftrag reagiert, wie Elisabeth Sobotka lachend erzählt: „Endlich, nach 20 Jahren Warten, werde ich von euch angerufen!“

Informationen

zum Spielplan und zum Vorverkauf unter

www.bregenzerfestspiele.com.

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