Wie diese Gitarre singt

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Eric Clapton auf dem Albumcover von „I Still Do“, porträtiert von Peter Blake. FotO: Universal Music

Neuerscheinung . Eric Clapton bietet mit seinem Album „I Still Do“ einen echten Ohrenschmaus.

Von Armin Geier

Wir befinden uns im neuen Song „Spiral“ von Eric Clapton – genau bei einer Minute und 59 Sekunden. Blueszeitrechnung! Und da tut es der 71-Jährige wieder – etwas, was nur er so kann. Er zieht eine Note auf seiner Stratocaster eineinhalb Noten nach oben und lässt den Ton im Raum stehen. Oh Gott, wie diese Gitarre singt. Endlich wieder! Wer hier keine Gänsehaut bekommt, der ist tot.

Nun steht das neue Album des Gitarrenzauberers in den Verkaufsregalen. Und da es nichts Lästigeres gibt als Kritiken, die nicht zum Punkt kommen, gleich vorweg: Die Scheibe ist ein Ohrenschmaus. Grandiose Gitarrenklänge mischen sich mit der reifen Stimme des Musikers. Der Titel „I Still Do“ ist Programm. Keine Frage: Clapton tut’s noch. Besser denn je. Dabei ist der Titel des Albums doppeldeutig gemeint. In einem Interview vor wenigen Tagen verriet Clapton nämlich, wie er auf diesen Satz kam: „Ich habe mich mal bei meiner Tante, die schon gestorben ist, bedankt, dass sie sich so um mich gekümmert hat, als ich ein kleiner Bub war, ein schwieriger Bub“, erinnert sich der Megastar. „Sie antwortete: ‚Ich mochte dich. Das tu ich noch immer.‘“   Also auf Englisch: „I still do.“ Diesen Satz habe er nie vergessen. Ist dieses Album vielleicht somit eine Danksagung an all seine Fans? Möglich, denn Clapton hat es auch ihnen nicht immer leicht gemacht. In den Sechzigern war der Gitarrengott ein arroganter Sack, überheblich und selbstverliebt. In den Siebzigern war er die meiste Zeit auf Drogen. In den Achtzigern ließ er sich kaputt-produzieren. Erst ab den Neunzigern durfte man die wahre, ehrliche Seele des begnadeten Musikers kennenlernen.

Genau die ist auch auf diesem Album zu hören: Sei es beim J. J.-Cale-verliebten „Catch the Blues“, bei dem er südamerikanische Rhythmen mit dem Blues tränkt, oder beim herzzerreißenden „Stones in my Passway“, bei dem jeder merkt: Nicht einmal Robert Johnson hätte das Klagen besser spielen und singen können. Clapton ist längst nicht mehr nur Griffbrettzauberer, er ist ein vollkommener Musiker. Klar, es wird nun wieder die Grantler geben, die gezwungen lässig schimpfen: „Ach, war doch alles schon mal da. Clapton bringt nichts Neues.“ Nein, das vielleicht nicht. Soll er sich an der Zwölftonmusik versuchen – mit einer Prise Blues? Lieber nicht. Er bringt immerhin etwas, was es in der Popmusik kaum mehr zu hören gibt, ehrliche, gefühlvolle Musik auf höchstem Niveau. Yes Eric, you still do!

Eric Clapton:

„I Still Do“ ( Universal Music).

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