„Die Handlungen des Täters akribisch dokumentieren“

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Interview Thomas Broy (47) betreut den Bereich „Beziehungsgewalt und Opferschutz“ beim Landeskriminalamt Hamburg.

Der Kriminalhauptkommissar spricht im Interview über das Phänomen „Stalking“ – und über die Möglichkeiten der meist weiblichen Opfer, sich gegen den Täter zu schützen.

-Nicht jeder unerwünschte Besuch, Anruf oder Liebesbrief ist gleich Stalking. Wie kann man sich wehren, wenn es richtig unangenehm wird?

Das Wichtigste ist, dass das Opfer konsequent und ohne Begründung den Kontakt zum Stalker abbricht und ihm dies ein einziges Mal unmissverständlich mitteilt. Das Opfer sollte von sich aus jede weitere Begegnung vermeiden und alle Handlungen des Täters akribisch dokumentieren. Empfehlenswert ist ferner der sensible Umgang mit persönlichen Daten, insbesondere im Internet. Außerdem sollte das Opfer sich unbedingt Rat und Hilfe bei einer Fachberatungsstelle für Stalking suchen. Dort wird es auch über wirksame juristische Schritte gegen den Stalker informiert.

-Was will der Stalker eigentlich, worum geht es ihm?

Nach unserer Erfahrung kommt in den meisten Fällen das klassische Motiv zum Tragen – entweder der Wunsch, mit einer anderen Person eine Beziehung einzugehen oder sich mit dem Ex-Partner auszusöhnen. Es gibt aber auch Fälle, wo die anfänglich positiven Gefühle dem Opfer gegenüber sich ins Negative verkehren. Der Stalker übt dann Macht aus, er will die totale Kontrolle.

-Sind solche aggressiven Nachsteller ein gesellschaftliches Phänomen, das heute besonders oft vorkommt? Wenn ja, warum?

Mir bekannte wissenschaftliche Untersuchungen sagen, dass es dieses Verhalten wahrscheinlich schon immer gegeben hat – einfach weil es um zwischenmenschliche Beziehungen geht. Aber früher hieß es eben nicht „Stalking“. Bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen könnten sich dazu aber negativ ausgewirkt haben – die Tatsache, dass es zum Beispiel mehr Single-Haushalte gibt, sowie den Trend zu häufigeren Trennungen, gerade auch angesichts der wachsenden Unabhängigkeit von Frauen. Auch, dass sich familiäre Strukturen und Strukturen von sozialer Kontrolle – etwa gut funktionierende Nachbarschaften – langsam auflösen.

Das Gespräch führte

Ulrike Cordes.

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