„Die Details klären wir noch“

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In nur zwei Jahren soll die Philharmonie umgebaut werden – eine sehr sportliche Schätzung, wie viele glauben. foto: haag

KULTURPOLITIK  . Landtagsausschuss befasst sich mit der Entscheidung gegen einen weiteren Münchner Konzertsaal.

von markus Thiel und christian Deutschländer

Wie viel soll das alles kosten? Sind die zwei Jahre Gasteig-Sanierung zu knapp kalkuliert? An welche Ausweichspielstätten wurde gedacht? Ist ein Umbau der Philharmonie nicht mit erheblichen, vor allem finanziellen Risiken verbunden? Fragen, die sich automatisch stellen nach der jüngsten Entscheidung gegen einen weiteren Münchner Konzertsaal. Fragen, die auch bei der gestrigen Debatte des Landtagsausschusses für Wissenschaft und Kunst eine Rolle spielten – die aber alle unbeantwortet blieben.

Erstmals meldete sich dafür Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU) nach dem jüngsten, heftig kritisierten Votum zu Wort. Bekanntlich haben sich Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) darauf geeinigt, in einer gemeinsamen Anstrengung Philharmonie und Herkulessaal renovieren zu lassen. Noch nie, so betonte Spaenle, hätten Freistaat und Stadt in dieser Form und Intensität im Kulturbereich zusammengearbeitet. Die Situation werde sich für die Münchner Philharmoniker und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks „dramatisch verbessern“, glaubt Spaenle. Er wies darauf hin, dass man für das BR-Ensemble in einem umgebauten Gasteig jene 1400 Quadratmeter Platz für Verwaltungs- und Übungsräume schaffen könne, die sich das Orchester gewünscht habe. Spaenle vertraut darauf, dass man „qualifizierte Ersatzspielstätten“ während der Umbauphase finden werde. „Nähere Details klären wir schließlich erst nach einem solchen Grundsatzbeschluss.“

Zumindest in diesem Ausschuss und zu dieser Frage hielt die Große Koalition zusammen. Isabell Zacharias (SPD) nannte die Diskussion über einen weiteren Saal eine „Scheindebatte“ und das jüngste Votum eine „gute Nachricht“. Oliver Jörg (CSU) sprach von einem „effizienten Einsatz von Steuermitteln“. Dass über Letzteres noch keine Angaben vorliegen, wurde von Michael Piazolo (Freie Wähler) kritisiert. Als „unausgegoren“ bezeichnete er die Seehofer-Reiter-Entscheidung, zumal es dafür keine Machbarkeitsstudie gebe. Wenn der Ministerpräsident, der einst einen neuen Saal favorisiert hatte, ständig seine Versprechen breche, „nervt das enorm“. Dass „keine verlässlichen Aussagen getroffen würden“, monierte auch Sepp Dürr (Grüne). Im übrigen sei es nicht Aufgabe des Freistaats, den Umbau eines städtischen Gebäudes zu finanzieren, das der Stadt außerdem noch nicht einmal ganz gehöre.

Horst Seehofer brachte unterdessen in einer langen internen Sitzung der CSU-Fraktion alle Abgeordneten auf seine Linie. Er betonte, es gehe vorerst lediglich um eine „Prüfung“ des Gasteig-Umbaus, auch wenn er das als realistisch einschätze. Unter Münchner Abgeordneten wurde Murren laut.

Von „bestenfalls einer Zwischenlösung“ sprach Markus Blume laut Teilnehmern, er warb erneut für die Museumsinsel. Auch wurde Kritik an BR-Intendant Ulrich Wilhelm laut, der nur fordere, aber selbst keinen Beitrag leiste. Seehofer spöttelte über „sehr gescheite Leute“, die der Politik Aufträge erteilen wollten.

Ein flotter Gasteig-Umbau, dann zurück zum normalen Musikleben, dieser Optimismus wird von Experten nicht geteilt. „Eine Komplett-Sanierung der Philharmonie ist in zwei Jahren nicht machbar“, sagt zum Beispiel ein Projektleiter des Münchner Unternehmens MTECH. Die Abbruch-Firma hat unter anderem in München den Zara-Shop in der Kaufingerstraße und die Generali-Hauptverwaltung am Adenauerring entkernt.

Auch dies ein Argument, das den Befürwortern eines weiteren Konzertsaales neue Debattennahrung gibt. Gestern haben sie eine Internet-Initiative gestartet, eine Online-Petition für die Errichtung eines Kulturzentrums am Finanzgarten. 4000 Unterschriften sind angepeilt, über 1000 kamen bereits zusammen.

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