HANS KITZBICHLER SORGT DAFÜR, DASS IN DER BR-SERIE „DAHOAM IS DAHOAM“ EIN GESCHEITES BAIRISCH GESPROCHEN WIRD

Der Dialekt-Schandi

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Internationaler Tag der Muttersprache . Von Stefanie Thyssen.

Einmal, da hätte ein Zuschauer am liebsten das Funkhaus des BR gestürmt. Was ihn so in Rage brachte? Eine Karotte! Nicht das Gemüse an sich, sondern der Umstand, dass bei „Dahoam is Dahoam“ nicht von einer „Gelben Rübe“ die Rede war, sondern von einer Karotte! Hochdeutsch! Und das in einer Produktion, die (völlig zu Recht) stolz darauf ist, die erste tägliche bayerische Serie zu sein, in der auch wirklich echtes Bairisch gesprochen wird. Und dann kommt da einer daher und faselt was von Karotte…

„Der Zuschauer hat am Ende ,nur‘ einen bösen Brief geschrieben, aber er war schon richtig sauer. Der Dialekt ist den Fans der Serie einfach sehr wichtig“, erzählt Hans Kitzbichler. Er ist Schauspieler, hat bei Sendungen wie den „Rosenheim-Cops“ mitgespielt, oder auch in der neuen ZDF-Reihe „Über Land“ von Franz Xaver Bogner. Bei „Dahoam is Dahoam“ hat der 53-Jährige eine Zeit lang einen Koch gegeben. Seit fast fünf Jahren arbeitet er nun mit seinen Kollegen von damals aber als Schauspiel- und Dialektcoach – und sorgt dafür, dass so etwas wie mit der Karotte nicht mehr passiert.

Kitzbichlers Arbeit beginnt, wenn die Drehbücher geschrieben sind. „90 Prozent der Autoren von ,Dahoam is Dahoam‘ kommen nicht aus Bayern“, erzählt der Familienvater, der im niederbayerischen Fürstenzell (Landkreis Passau) geboren wurde. „Das heißt, wenn ich mit den Schauspielern ihre Passagen durchgehe, müssen wir die Texte erst mal übersetzen.“

Das Gute: Die allermeisten Darsteller stammen aus Bayern – allerdings aus den unterschiedlichen Regionen. „Die größte Herausforderung für mich ist, dass wenigstens die Kollegen, die eine Familie spielen wie zum Beispiel die Brunners, sich vom Dialekt her gleich anhören“, sagt Kitzbichler. Weil aber der Holger Wilhelm, der den Gregor Brunner darstellt, aus der Oberpfalz kommt, und der Tommy Schwimmer, der seinen Seriensohn Florian spielt, aus der Landshuter Gegend, sei das manchmal gar nicht so einfach.„Da sagt dann der eine ,kimmt‘ und der andere ,kummt‘ – und schon ist es für echte Dialektanhänger ein bissl schwierig.“

Als wir Hans Kitzbichler bei seiner Arbeit besuchen – Anlass dafür ist der Internationale Tag der Muttersprache, der heute gefeiert wird –, arbeitet er gerade mit Jonathan Gertis. Der 20-Jährige hat Anfang des Jahres die Rolle als Christian Preissinger von Marinus Kaffl übernommen, der mitten im Abitur steckt und nicht mehr ausreichend Zeit für die Dreharbeiten hatte. Jonathan ist gebürtiger Bayer, aber er ist hochdeutsch erzogen. „Wir arbeiten nun viel am Dialekt, vor allem am Satzbau, und er macht das super“, lobt Kitzbichler den jungen Kollegen. Und der fühlt sich in der Obhut seines Coaches sichtbar wohl.

Ein größerer „Brocken“ war da schon Joyce Ilg. Die 34-jährige Kölnerin (!) spielte in der Serie die Tochter von Mike Preissinger (Harry Blank) und Annalena Brunner (Heidrun Gärtner). „Bei der Joyce haben wir uns irgendwann entschieden, dass sie bitte Hochdeutsch reden soll“, erinnert sich Kitzbichler und lacht. „Da war das mit dem Bairischen einfach nicht zu machen.“

Gerieben haben sich die Zuschauer auch an Doreen Dietl, die bis vor einigen Monaten die Rolle der Trixi Preissinger (Ehefrau von Mike) gespielt hat. Die 43-Jährige stammt aus Sachsen und hatte sich eigens für „Dahoam is Dahoam“ den bairischen Dialekt „draufgeschafft“. Aber obwohl die Zuschauer sie und ihre Figur liebten, gab es immer wieder Beschwerden ob ihrer Aussprache. „An einem Punkt haben wir uns darauf geeinigt, dass sie einfach eine Zuagroaste ist, und dass man das auch hören darf“, so Hans Kitzbichler.

Bleibt noch eine Frage: Wäre es nicht vielleicht nett, wenn Kitzbichler einen eigenen Dialekt für die Serie entwickeln könnte? Sozusagen Lansingerisch? „Das ist eine schöne Idee“, sagt er und lacht. „Aber das wäre auch für mich definitiv zu viel des Guten.“

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