Detlev Glanerts Musik – exquisites Glutamat

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Seine Oper „Leyla und Medjnun“ eröffnete 1988 die erste Münchener Biennale. Ein Kreisschluss für Detlev Glanert?

Nicht ganz, dazu bewegt sich seine Partitur für „Die Befristeten“ zu weit weg vom Musiktheater, das letztlich ein geschlossenes kompositorisches System erfordert – und nicht nur das Beantworten und Verstärken von Stimmungen und Atmosphären wie hier.

Gewiss: Glanert ist ein virtuoser Bediener, ein komponierendes Chamäleon. Eine Jazz-Passage, ein skurriler Walzer, der durch die Harmonien irrt, eine an den frühen Alban Berg erinnernde, aufwallende, durch „Störungen“getrübte Liebesmusik, ein übertouriges Umtata, mit dem Khachaturian von fern grüßt, solistisch geführte Bläser, die in überraschenden Intervallen fast in die freie Variation driften, all das „kann“ Glanert, all das bedient er routiniert. Ein tönendes Gericht wie aus der italienischen Küche, wo ja einfachste Zutaten für gut Genießbares ausreichen.

In ausgedehnten Proben, so heißt es, habe Glanert die Partitur als Reaktion auf Schauspieler und Stück entwickelt. Keimzellen waren Abschnitte von einer Minute, die dann erweitert wurden. Kaum etwas davon teilt sich an diesem Abend mit. Die Musik, die dem Stück kaum zusätzliche Böden einzieht, bewegt sich auf einer Einbahnstraße: vom Graben zur Bühne. Was „Die Befristeten“ zum relevanten Musiktheater machen würde: wenn die Schauspieler sich ihrerseits mit den Instrumenten verzahnen würden. Doch bis auf eine Sprech-Arie, zu der sich das Geschehen verdichtet, und einmal einem gebremsten Texttransport, bleibt es bei dem, was man vermeiden wollte: eine Schauspielmusik – ein (wenn auch exquisites) musikalisches Glutamat. markus thiel

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