DER NINO AUS WIEN SPIELT IN DER AUSVERKAUFTEN MILLA

Depressionsfröhlichkeit

von jörg heinrich. Es muss ein Nest geben in Wien – ein Nest voller famoser junger Popmusiker.

Wanda und Bilderbuch haben auch Deutschland längst erobert. Und rüber nach Bad Vöslau zu Seiler und Speer („Ham kummst“) ist es auch nur ein Katzensprung.

Der Nino aus Wien wird es mit seinen wunderschön kaputten Liedern schwerer haben, auch bei uns groß rauszukommen. Doch seine Münchner Fans lieben ihn umso inniger: Das Konzert des Liedermachers am Donnerstagabend in der Milla war seit Wochen ausverkauft, genau wie der Zusatztermin am 1. Juni. Kein Wunder bei so viel unwiderstehlicher Depressionsfröhlichkeit.

Nino Mandl, 29, singt gern im leidenden Tonfall einer Trauerrede auf dem Ottakringer Friedhof. Nicht nur das verbindet ihn mit einem seiner Idole. Der sehr junge Wolfgang Ambros klang Anfang der Siebzigerjahre ähnlich, als er die „Wintasun“ pries oder von „Rosemarie“ schwärmte, die so vorbildlich entspannt ihrem eigenen Begräbnis beiwohnte. Der Nino sang in München verhuschte Lieder über gescheiterte Kaffeehaus-Poeten und warf einem Nebenbuhler ein zünftiges „Du Oasch“ an den Kopf. Wiener Schmäh beherrscht er auch, wie beim Walzer vom „Schlagoberskoch“, dem Zuckerbäcker, der die schönsten „Duatn“ („Torten“) zaubert.

Wer den frühen Ambros liebt, sollte sich Ninos Best-of-CD anhören, die zudem mit dem herrlichen Titel „Immer noch besser als Spinat“ glänzt.

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