Bis es von der Decke rieselt

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„Feuersnot“ von Richard Strauss konzertant im Prinzregententheater von markus Thiel

Ein bisschen wird man doch spintisieren dürfen. Ein Innenhof der Residenz, ein laues Juni-Lüftchen, Oper als Open Air: Die „Feuersnot“ würde da schon hinpassen – zumal das zweite Bühnenwerk von Richard Strauss ohnehin den Münchner „Sunabend“, die Mittsommernacht beschwört. Doch ohne Szene bleibt der Einakter, mehr als andere Opern, irgendwie amputiert, da mag sich das formidable Künstler-Aufgebot im Prinzregententheater noch so mühen.

Die konzertante Aufführung ist ein Beitrag des Münchner Rundfunkorchesters zum Strauss-Jahr. Geklotzt wird nicht nur bei der Besetzung, sondern auch bei der Phonstärke: Ein Wunder, das es nicht von der Decke rieselt. Dirigent Ulf Schirmer liebt’s eben gern deftig, symphonisch und, gerade im Falle des so wichtigen Kunrad-Monologs, sängerunfreundlich. Ein Jammer, dass sich Markus Eiche mit kernigem, gut kanalisiertem Bariton nicht immer gegen das Orchester durchsetzen kann. Was die „Feuersnot“ braucht: einen eigentümlichen, leicht grellen Tonfall. Doch liefert das Ensemble, fest an die Notenständer geklammert, die Partien so bierernst ab, dann klappt es eben schlecht mit dem Strauss’schen Witz.

Luxusbesetzungen bei den Sängern

Das Stück ist nicht unproblematisch. Ein Sonderling, Kunrad, hat es auf die Bürgermeisterstochter abgesehen. Die spielt ihm übel mit, worauf er die ganze Stadt verflucht. Als sie ihm die Jungfräulichkeit opfert, wird’s wieder hell und alles gut in München. Ein Fest für Melodienrätsler, es gibt Zitate von „Tristan“ über „Ring“ bis zu Eigenproduktionen: Strauss, dem die Isarstadt aus seiner Sicht übel mitspielte, stilisierte sich hier autobiografisch zum Unverstandenen – und zum legitimen Wagner-Erben. Satire mag man das nennen. Oder ein bizarres Beispiel narzisstischen Rumpelhumors.

Auf Markus Eiches Augenhöhe agiert Simone Schneider als zunächst widerspenstige Diemut. Der Fachwechsel vom Koloratursopran ins Jugendlich-Dramatische ist ihr gut bekommen – eine gehaltvolle Stimme mit frei flutenden Höhen, bereit für Größeres wie die Kaiserin in der „Frau ohne Schatten“. Im übrigen Ensemble Luxusbesetzungen wie Wilhelm Schwinghammer, Michael Kupfer oder der (etwas neutral gestaltende) Sung Min Song. Der Kinderchor des Gärtnerplatztheaters, so präzise und munter unterwegs, stach glatt die „großen“ Kollegen vom BR-Chor aus. Denkbar, dass davon eine CD produziert wird – da kann man ja die Dezibelwerte selbst einstellen.

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