„Das Sprachrohr für alle Grenzgänger“

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Werner Herzog foto: jantz

Regisseur Werner Herzog erhält im Alten Rathaus den Kulturellen Ehrenpreis der Stadt München. Manchmal überkommt ihn, den Weltenbummler, die Sehnsucht nach daheim.

Nach München. Dann sehnt er sich nach einer ofenwarmen Brezn, nach einem Kanten Pfisterbrot, nach Obazdem. Doch am allermeisten fehlt Werner Herzog der bairische Dialekt. All das konnte er nun wieder genießen. Der international renommierte Filmregisseur und Produzent ist aus seiner Wahlheimat Los Angeles in seine ursprüngliche Heimat gekommen, um den Kulturellen Ehrenpreis der Stadt München entgegenzunehmen. Schon vorab ließ Herzog Oberbürgermeister Dieter Reiter wissen, dass ihn Preise wie dieser nicht dazu brächten, sich zur Ruhe zu setzen. Von Ehrungen fürs Lebenswerk lässt sich einer wie er nicht in Pension schicken. Zu sehr brodelt es auch heute, mit 72 Jahren, noch in ihm.

Herzogs Kollege Edgar Reitz, seit 1992 Träger des Ehrenpreises, würdigt ihn am Dienstag im Festsaal des Alten Rathauses mit einer berührenden Laudatio, die zweierlei deutlich macht: seine ehrliche Freundschaft und tiefe Bewunderung für jenen Mann, dessen Werke zu Klassikern geworden sind. „Fitzcarraldo“ etwa („der prächtigste und erstaunlichste deiner Filme“), oder „Nosferatu“ („ein Meisterwerk im Genre des Horrorfilms“). Eine der größten Leistungen aber, so Reitz, sei gewesen, wie er die „absurden Kämpfe“ mit seinem Hauptdarsteller durchgestanden habe – mit Klaus Kinski. Herzog nennt ihn nur seinen „liebsten Feind“. Der Preisträger erinnert sich in seiner Rede an die damaligen Dreharbeiten. Vor Kinski habe er nie Angst gehabt. „Ich empfand ihn wie ein Naturereignis. Es war, als schaute man einem Tornado zu.“

Großartige Ereignisse habe er in München erlebt, sagte Herzog. Die Geburten seiner Kinder, Begegnungen mit illustren Klassenkameraden auf dem Max-Gymnasium, von denen er munter erzählt.

Am Tag nach der Ehrung geht es für ihn wieder zurück in die Vereinigten Staaten. Das nächste Filmprojekt wartet. „Du bist ein Sprachrohr geworden für all die Grenzgänger dieser Welt“, lobt Reitz. Weil er es nie gescheut habe, selbst an seine Grenzen zu gehen. katja kraft

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