„Das Modell für ein neues deutsches Stadttheater“

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LETZTE SPIELZEIT VON JOHAN SIMONS  . Pläne der Münchner Kammerspiele: Elfriede Jelinek schreibt ein NSU-Stück, Gerhard Polt bietet mit den Well-Brüdern „Ekzem Homo“.

von beate kayser

„Es ist meine fünfte und letzte Spielzeit“, sagt Kammerspiele-Intendant Johan Simons. Da wolle er nochmal richtig loslegen. „Zwei Jahre habe ich Angst gehabt, ob das Publikum meine Wege der Grenzüberschreitung und der Mehrsprachigkeit mitgehen würde. Es ist mitgegangen, und nun sind die Kammerspiele ein Modell für ein neues deutsches Stadttheater.“

An anderen Orten, so berichtet Simons, etwa in Holland oder England, sei mit dem Trend zur Nivellierung aus dem Kopfbürger der Bauchbürger geworden. In Deutschland sei noch das Risiko möglich. „Und ich bedanke mich auch bei den Kritikern, die zwar kritisch sind, was sie auch sollen, aber immer mit großem Respekt.“ Im Schauspielhaus, so berichtet der Intendant, sei die Auslastung bei 75 Prozent.

Drei Inszenierungen der 18 Premieren in der kommenden Spielzeit wird Simons selber machen. Die Uraufführung von Elfriede Jelineks „Das schweigende Mädchen“, ein Stück, das sich um Beate Zschäpe und ihr NSU-Umfeld dreht (27. September), ein Stück von Gerhard Polt, „Ekzem Homo“ mit den Well-Brüdern (Februar 2015), was Simons kommentierte: „Ein Holländer mit einem Bayern! Ich stelle mir vor, dass ich ihm immer nur folgen muss.“ Und im April 2015 führt der Hausherr Regie bei „Hoppla, wir sterben“ von Arnon Grünberg. Stephan Kimmig inszeniert Horváths „Geschichten aus dem Wiener Wald“, Resi-Chef Martin Kušej Sperrs „Jagdszenen aus Niederbayern“. Susanne Kennedy bekommt Fassbinders „Warum läuft Herr R. Amok?“, und Andreas Kriegenburg macht den einzigen Klassiker, Schillers „Maria Stuart“. Dazu Tennessee Williams, inszeniert von Sebastian Nübling, das einzige Stück von James Joyce („Exiles“, Regie: Luc Perceval), Lesungen, Pop-Konzerte und eine Festivalnacht für elektronische Popmusik bei ausgeräumtem Parkett. Immer wieder anders die Spielhalle: Ein Chinese, der kein Wort Englisch kann, macht „Totally Happy“, Fritz Kater (alias Arnim Petras) bringt „Buch“ heraus, und sonst spielt, tanzt, diskutiert es in allen Räumen, auch in der Stadt. Simons, der zur Ruhr-Triennale geht: „Ich glaube nicht, dass ich noch einmal an einem so professionellen Haus wie den Kammerspielen arbeiten werde.“

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