Mit Charme und Schimpanse

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+

ZUm geburtstag . Dieter Kürten, langjähriger Moderator des „Aktuellen Sportstudios“ im ZDF, wird heute 80 Jahre alt.

Von Jonas-Erik Schmidt

In jedem längeren Gespräch mit Dieter Kürten wird früher oder später ein Schimpanse zum Thema. Kein Wunder, denn die entsprechende Szene aus der ZDF-Sendung „Das aktuelle Sportstudio“ von 1971, in dem er Gastgeber war, ist regelmäßig in Rückblicken zu sehen. Kürten selbst spricht auch heute noch gerne davon, wie das damals war, als ein Affe vor laufenden Kameras der Frau des „Tarzan“-Darstellers Johnny Weissmuller die Perücke vom Kopf riss: „Sie saß da wie eine Prinzessin mit Pelzmantel und hochtoupiertem Haar. Ich höre mich selbst ständig sagen: Ach gnädige Frau, ach gnädige Frau, das macht doch nichts.“ Er lacht. Unterhalter von Herzen ist der Sportjournalist geblieben. Heute feiert Kürten, der satte 375 Mal das „Sportstudio“ moderierte, seinen 80. Geburtstag.

Kürten ist charmant. Dass er eine Frage mal unpassend findet, ist kaum denkbar. Dabei gibt es viel mehr zu besprechen als die Sache mit dem Schimpansen, der übrigens Cheetah hieß. Im Jahr 2011 war Kürten mit einem Herzinfarkt auf der Straße in seinem Wohnort Wiesbaden zusammengebrochen. Eine Altenpflegerin rettete ihm das Leben. Heute gehe es ihm glücklicherweise wieder viel besser, sagt er. Schon ein paar Monate später sei er wieder der Alte gewesen: „Und jetzt bin ich der Uralte.“

Kürten ist der Grandseigneur des Sportjournalismus. Ein freundlicher Fragesteller, stets gut gekleidet und dennoch lässig und entspannt wirkend, der im Plauderton viel aus seinen Gästen herausbekam. „Wim Thoelke hat mir damals gesagt: ,Sie haben eine besondere Art Leute auszufragen, lassen Sie sich die nicht ausreden‘“, erzählt Kürten: „Das habe ich auch gemacht, selbst wenn mich Kritiker mal als zu weich bezeichneten.“

Im Jahr 1963 bekam der gelernte Kaufmann aus Duisburg, der sich dann doch für den Journalismus und einen Job beim Düsseldorfer „Mittag“ entschieden hatte, den Tipp, zum gerade neu gegründeten ZDF zu gehen. „Da war noch ein Löchlein frei zum Reinschlüpfen – im Sport.“ Er traf auf „Sportstudio“-Mitbegründer Thoelke, dem in Abgrenzung zur doch recht nüchternen „Sportschau“ eine „Unterhaltungssendung mit stark sportlichem Charakter“ vorschwebte. Im März stieß Kürten zu der jungen Truppe, am 1. April begann der Sendebetrieb, im August startete „Das aktuelle Sportstudio“, heute ein Klassiker. Improvisationstalent war in der Live-Sendung Trumpf, der Moderator ließ sich nie aus der Ruhe bringen, selbst wenn, wie einmal im Jahr 1986, gleich zwei angekündigte Spielberichte nicht „abgefahren“ werden konnten. „Wenn das so weitergeht, hab’ ich in fünf Minuten nichts mehr zu senden“, lachte Kürten die Pannen souverän weg. Erst mit der WM im Jahr 2006 in Deutschland beendete Kürten, der in seiner Laufbahn auch viele Fußballspiele kommentierte, seine Karriere.

Viele Anekdoten kann er erzählen aus diesen Jahrzehnten. Mit dem ehemaligen FC-Bayern-Trainer Giovanni („Waren schwach wie eine Flasche leer!“) Trapattoni hat er sogar mal geweint. Es war Trapattonis Abschiedsspiel bei den Bayern. „Da habe ich ihm gesagt, dass es viele Menschen bedauern, dass er nicht mehr in der Bundesliga ist mit seinem Charme, seinem Humor und seiner Liebenswürdigkeit“, sagt Kürten. Plötzlich seien dem Italiener die Tränen gekommen. „Ich fing selbst an zu heulen. Ich bin immer nah am Wasser gebaut.“

Kürten findet echte Emotionen gut und schämt sich nicht für sie. Vielleicht hat ihn das beim Publikum so beliebt gemacht. Nur um seinen Geburtstag will er keinen großen Wirbel machen. Zunächst einmal feiere er privat, sagt der Vater dreier erwachsener Kinder.

Fehlt also noch eine Frage neben der nach dem Schimpansen? Na klar. Würde er noch mal das „Sportstudio“ moderieren? Er sagt nicht Nein: „Wenn mal einer ausfiele und sie würden fragen, würde ich mich vielleicht nochmal breitschlagen lassen.“ Ihm geht es wirklich wieder gut.

Zurück zur Übersicht: Kultur & TV

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare