JONAS JONASSONS ROMAN „DER HUNDERTJÄHRIGE, DER ZURÜCKKAM, UM DIE WELT ZU RETTEN“

Chaosmagnet Karlsson ist wieder da

  • schließen
  • Weitere
    schließen
Bestsellerautor Jonas Jonasson am Schreibtisch in seinem Haus auf Gotland. Foto: Geoff Pugh/ REX

von Kathrin Brack. Der Hundertjährige ist zurück!

Wobei, ganz richtig ist das nicht, denn Allan Karlsson feiert gerade seinen hundertersten Geburtstag, als er und sein Freund Julius vor der Küste Balis in einem Heißluftballon notwassern. Und weil Karlsson der Chaosmagnet ist, der er eben ist, wird er nicht einfach von hilfsbereiten Seeleuten aus dem Indischen Ozean gefischt. Die beiden alten Männer landen auf einem nordkoreanischen Frachter, der probeweise ein paar Kilo Uran schmuggelt. Man ahnt es, als sich Allan dem nordkoreanischen Kapitän unumwunden als Atomwaffenexperte von Weltrang vorstellt: Dem Greis steht ein weiteres irrwitziges Abenteuer bevor. Irr und witzig darf man dabei wörtlich nehmen.

Als Jonas Jonasson den Hundertjährigen vor sieben Jahren aus dem Fenster steigen und verschwinden ließ, war die Geschichte von Allan Karlsson mit dem Welterfolg eigentlich erzählt. Fand zumindest der Autor. Der Greis hatte in seinem hundertjährigen Dasein unter Franco gekämpft, beim Bau der Atombombe geholfen und einige beachtliche Bekanntschaften gemacht: Stalin, Mao, Kim Il-sung und Kim Jong-il, Churchill und Nixon waren darunter. Und Karlsson spukte weiter munter im Kopf seines Schöpfers herum.

Der Alte ist aber auch einfach nicht totzukriegen. Denn nachdem er mit Kim Jong-un schon den dritten Obersten Führer der stolzen Volksrepublik Korea trifft und überlebt, ist klar, dass Allan Karlsson seine Einmischungen ins Weltgeschehen auch als Hunderteinjähriger fortzusetzen gedenkt. Seine Begleiter sind der freundliche Gauner Julius, dessen neueste Leidenschaft schwedischer Spargel aus dem Ausland ist, und ein schwarzes iPad.

Der Hunderteinjährige, dem zeitlebens alles egal und niemand wichtig war, konstatiert, dass es um die Welt im Jahr 2017 schlecht bestellt ist. Und ihm das ganz und gar nicht egal ist. Nicht, dass ihn das direkt zum Handeln bewegen würde. Doch das iPad, aus dem er reale Schlagzeilen vorträgt, schafft den jeweils aktuellen Bezug für den Leser. Denn Autor Jonasson lässt seinen Hunderteinjährigen nicht nur in einen heftigen Streit mit Donald Trump geraten und Angela Merkel mit Uran in Berührung bringen, Karlsson gerät auch in eine nicht ungefährliche Auseinandersetzung mit einem schwedischen Neonazi, der ihn und seine Freunde ermorden will. Und über allem schwebt das Marionettentheater Wladimir Putins, der fröhlich die Fäden zieht.

Fortsetzung und Original unterscheiden sich in einem Punkt: Jonasson setzt seinen Hunderteinjährigen nicht in einen vergangenen Kontext, sondern lässt ihn Bestandteil aktueller Krisen werden. Die Gemeinsamkeit zum Vorgänger ist: Er macht das so gut, dass es an keiner Stelle so an den Haaren herbeigezogen klingt, wie es nun mal ist.

Jonasson hat seine Hausaufgaben gemacht. Vom Urlaubsverhalten der Bundeskanzlerin bis zum Werdegang des „kleinen Raketenmannes“ sind die Hintergründe gut recherchiert und die Lücken mit Fantasie und Sachverstand gefüllt. Das liest sich so herrlich, dass man sich wünscht, er möge Allan Karlsson mindestens noch einen hundertzweiten Geburtstag vergönnen.

Jonas Jonasson:

„Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten“. Aus dem Schwedischen von Wibke Kuhn. Bertelsmann, 443 Seiten; 20 Euro.

Zurück zur Übersicht: Kultur & TV

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare