ANNA NETREBKO BEGEISTERTE BEIM SALZBURGER ARIEN-KONZERT ALS DRAMATISCHE MIT BELCANTO-RAFFINESSE

Bunte Häppchen

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Beendeten die Salzburger Festspiele mit ihrem „A due voci“-Abend: Anna Netrebko und ihr Ehemann Yusif Eyvazov mit dem Mozarteumorchester Salzburg. Foto: Salzburger Festspiele/ Marco Borrelli

Von Tobias Hell. Wenn die Österreicher eines können, dann Mehlspeisen.

Je süßer und kalorienreicher, desto besser. Und so wundert es denn kaum, dass bei den Salzburger Festspielen am vorletzten Abend nun ebenfalls noch  ein durchaus als kulinarisch zu bezeichnendes Programm offeriert wurde. Heiß begehrt und schnell vergriffen waren die Karten für diesen bunten Häppchenabend „A  due voci“ dabei natürlich vor allem dank Publikumsliebling Anna Netrebko, die sich diesen Sommer an der Salzach etwas rarer gemacht hatte und nun umso herzlicher von der mit zahlreicher Prominenz und Adabeis durchsetzten Fangemeinde begrüßt wurde. Wobei die virtuos angegangene Arie der Lady aus Verdis „Macbeth“ durchaus begründeten Anlass zum Jubel bot.

Mit künstlich eingedunkelter Stimme brannte Netrebko bereits hier ein vokales Feuerwerk ab, ließ aber jenseits aller Wunschkonzert-Atmosphäre ebenso ihre intensive Bühnenerfahrung mit der Rolle durchscheinen. Einen kleinen Vorgeschmack auf das im kommenden Frühjahr anstehende nächste große Debüt brachte dagegen die „Forza del destino“-Leonora, bei der Netrebko erneut bewies, dass sie keineswegs nur reine Stimmbesitzerin ist, sondern beim nun endgültig vollzogenen Wechsel ins dramatische Fach noch einiges an Raffinessen aus ihren Belcanto-Tagen herübergerettet hat. Exemplarisch zu beobachten etwa an den fein variierten „Pace“-Rufen, die sie höchst individuell färbte, ehe die Arie frei von allen Schärfen mit einem leuchtenden „Maledizione“ gekrönt wurde.

Ähnlich fesselnd ihre Desdemona, die neben dem Otello von Yusif Eyvazov zu erleben war, der dank Trauring erneut zu Salzburger Festspielehren kam. Er hatte sich zuvor bereits als durchschlagskräftiger Manrico vorgestellt und sollte den dort eingeschlagenen Pfad in den folgenden zweieinhalb Stunden nicht mehr verlassen. Wo Netrebko mit sanftem Messa di voce spielte und einzelne Phrasen fein schattierte, schienen seine gestählten Stimmbänder selten mehr als eine Farbe und eine Lautstärke zu kennen. Eine Taktik, die in der „Trovatore“-Stretta oder beim muskulös gestemmten „Nessun-dorma“- Schluss durchaus Eindruck machte, über die volle Distanz hinweg aber interpretatorisch lediglich an der Oberfläche seiner Arien kratzte. Darüber konnten auch die vor allem aus dem Rang kräftig anschiebenden Bravo-Rufe nicht hinwegtäuschen.

Ebenso in den Jubel einbezogen wurde Dirigent Jader Bignamini, der das Seine tat, um das Ehepaar behutsam ins rechte Licht zu rücken, bei den dazwischen eingeschobenen Ouvertüren und Intermezzi indes oft derart rastlos durch die Noten fegte, dass das Mozarteumorchester zuweilen an seine Grenzen geriet. Zählen Verdi und Puccini hier doch nicht unbedingt zur alltäglichen Kost. Besonders gut gelangen dennoch vor allem die Auszüge aus „Tosca“, bei denen man hin und wieder ins Zweifeln geraten konnte, ob Netrebko damit nun die Verwandlung zur überlebensgroßen Diven-Kunstfigur anpeilte oder womöglich doch eher augenzwinkernd mit dem eigenen Medien-Image kokettierte.

Egal – was zählt, ist ein glücklich jubelndes Publikum, dem das prominente Duo ruhig noch die eine oder andere Zugabe hätte gönnen können. So nämlich blieb den Hardcore-Fans für den Nachschlag nur der Weg zum CD-Stand im Foyer.

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