Das Bühnentier

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Lenny Kravitz Foto: Hangen

Lenny Kravitz zeigte in der Olympiahalle sein großartiges Live-Talent. Lenny Kravitz ist offenkundig eine gespaltene Persönlichkeit.

Zum einen ist er der Typ, der seit Jahren blutleere Retro-Klon-Musik auf Platten veröffentlicht, die nur noch wenig mit den kraftstrotzenden Funk-Rock-Monstern zu tun hat, mit denen er vor 20 Jahren sehr zurecht weltberühmt wurde. Auf der anderen Seite ist Kravitz live immer noch eine der größten Sensationen der populären Musik, wie er eindrucksvoll in der fast ausverkauften Münchner Olympiahalle bewies.

Umgeben von wirklich exquisiten Musikern wirkt der mittlerweile auch schon 50-Jährige alterslos und hat den Saal durch seine erstaunliche Bühnenpräsenz sofort im Griff. Selbst aus einer Nummer wie „New York City“, die auf dem neuen Album merkwürdig aseptisch klingt, macht er live ein krachendes Spektakel, das einen regelrecht überrollt: Das Lied zieht sich gefühlt über eine halbe Stunde hin, aber es kommt keine Sekunde Langeweile auf, weil die fantastische Band fast schon jazzig vor sich hin jammt, dass es eine wahre Freude ist. Und wo außer bei Kravitz darf ein Trompeter bei einem Rockkonzert ein ellenlanges Solo spielen? Rückgrat und Maschinenraum dieser Band ist eine der besten Rhythmussektionen dieses Planeten: Bassistin Gail Ann Dorsey hält die Truppe selbst in den wildesten Momenten mit ihrem Spiel zusammen, und Cindy Blackman prügelt am Schlagzeug ihre Kollegen mit einer Verve nach vorne, die man selten erlebt.

Mit den Zugaben „Fly Away“ und „Are You Gonna Go My Way“ lässt Kravitz die Halle regelrecht implodieren, und man sieht ihm dann gerne nach, dass er auch in seinem Alter noch auf Glam-Strizzi macht. Soll er doch – seine Bühnenshow ist über jeden Zweifel erhaben. Wäre schön, wenn Kravitz endlich mal wieder eine gute Platte machen würde, die seinem Talent gerecht wird. zoran gojic

Zurück zur Übersicht: Kultur & TV

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare