Bühne frei für die eigenen Interessen

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Zu viel Werbung für den Konzertsaal? Der BR räumt bei seiner Sendung vom Nockherberg der Debatte erstaunlich viel Zeit ein.

Die Predigt war vorbei, das Singspiel hatte noch nicht begonnen – beim Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg ist das die Zeit für einen launigen Plausch. Nicht aber in diesem Jahr. Heuer räumte die Redaktion des Bayerischen Rundfunks einem Konfliktthema erstaunlich viel Zeit ein: der Debatte um einen neuen Konzertsaal.

Los ging es bei Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) persönlich. Kurzes Geplänkel, dann kam Saalreporterin Eva Mähl „zu einem Thema, das momentan viele Gemüter beschäftigt“: zum Saal. Pikant ist das, weil der Sender mit seinem Symphonieorchester im eigenen Interesse handelt. Dass Seehofer dem Ensemble keinen neuen Saal bauen, sondern nur die Philharmonie im Gasteig und den Herkulessaal sanieren will, ärgert BR-Intendant Ulrich Wilhelm.

Seehofer gab sich gelassen. Es bleibe dabei: Freistaat und Stadt suchten nach einer gemeinsamen Lösung. „Das ist aber jetzt fast zu ernst für den Nockherberg“, schob er verwundert nach. Das einzig mögliche Fazit: Sanierung, kein Neubau. Reporterin Mähl zog einen eigenen Schluss: „Also der Konzertsaal kann doch noch kommen. Er hat einen Chance.“ Dann kam Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD).Wieder kurzes Vorspiel, dann der Saal. Auch Reiter wiederholte seine Position: Derzeit sei keine Konzertstätte in Sicht.

Aber es gab ja noch den Zweiten Bürgermeister: Josef Schmid (CSU). Es passiert nicht oft, dass angesichts der Promidichte beim Nockherberg Münchens Vize zu Wort kommt. Schmid aber hatte ein entscheidendes Argument: Im Kommunalwahlkampf hatte er einen neuen Konzertsaal gefordert. Jedes Spitzenorchester brauche seine eigene Spielstätte, durfte Schmid also noch mal erklären. „Insofern ist meine Meinung da völlig klar.“

Werbung im Eigeninteresse? Beim BR weist man das zurück. Es habe keine thematische Vorgabe der Redaktion oder des Intendanten gegeben. In der CSU gibt es aber vernehmbares Grummeln. Es sei auffällig, wie viel Zeit dem Thema allgemein gewidmet werde, sagt der Landtagsabgeordnete und BR-Rundfunkrat, Tobias Reiß. „Der BR sollte nicht den Eindruck erwecken, dass er im eigenen Interesse berichtet.“ Der Abend war mit den Kurz-Interviews noch nicht zu Ende. Der Schlussakkord folgte in der Gesprächsrunde nach dem Singspiel. BR-Moderatorin Amelie Fried gab Reiter und dem abwesenden Seehofer noch einen mit: „Tatsache ist: Sie haben es geschafft, sich mehr oder weniger vor der ganzen Welt zu blamieren.“ Da war dann genug gesagt. Til Huber

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