Mit Blitz und Donner und allen Illusionen

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Das Gärtnerplatztheater brachte am Gasteig die Uraufführung von Wilfried Hillers Musiktheaterstück „Der Flaschengeist“ heraus Von Beate Kayser

Schauplatz ist immer die Welt – kleiner macht er’s nicht. Aber in dieser „Welt“, unterm bestirnten Himmel, ist stets Platz für ein Kinderlied, für einen Reim, der dem Zuhörer aus der frühen Kindheit heraufdämmert. So ist er, der Wilfried Hiller. So war er in all seinen Werken, am gelungensten in dem ewigjungen „Goggolori“, der vom Gärtnerplatz aus seinen Siegeszug antrat. Und so ist es erneut das Gärtnerplatztheater, das eine Hiller-Uraufführung herausbringt: den „Flaschengeist“ (im Carl-Orff-Saal im Gasteig). Ihn haben die Gärtnerplatz-Techniker brillant mit großem und kleinem Himmelslicht, mit Blitz und Donner und allen Illusionen ausgestattet. Wieder ist ein Kompliment fällig an diese Truppe, die sich innerhalb von Wochen, ja Tagen, auf die verschiedensten Räume einstellen kann.

Hiller reizt von jeher das Ferne, Mythisch-Märchenhafte. Diesmal greift er ein von ihm lange umschlichenes Thema auf: die teuflische Figur eines Flaschengeistes, der den, der ihm erliegt, nie mehr loslässt. Der Komponist hält sich frei an Robert Louis Stevensons Erzählung „Bottle Imp“ (Flaschenteufel) und hat sich von Felix Mitterer ein Libretto schreiben lassen. Konkret geht es um Gier, ums Immer-mehr-haben-Wollen, was sehr gut in unsere Zeit passt, aber im Grunde ist es Hiller immer um magische Momente, um Grundgefühle zu tun. Er ist, neben allem anderen, studierter Schlagzeuger und schwelgt daher, weil die Schauplätze Samoa und Tahiti sind, in 58 verschiedenen Schlaginstrumenten, darunter Klangschalen und gestimmte Steine. Dazu gibt es natürlich Streich- und Blasinstrumente, Harfe und Ziehharmonika – alles von Hiller virtuos unter Strom gesetzt, woran der Dirigent Michael Brandstätter lebhaften Anteil hat. In den klöppelnden Repetitionen ist wieder Hillers Lehrer Carl Orff durchzuhören, und unbekümmert verwendet Hiller musikalische Zitate. Ob aber für den Beginn einer Liebesszene Schumanns „Seit ich ihn gesehen, glaub ich blind zu sein“ aus dem Zyklus „Frauenliebe und Leben“ noch zu vertreten ist? Das ist denn doch eine andere Baustelle.

Nicole Claudia Weber hat sich der Regie dieses krausen, bunten Stücks angenommen, und kraus und bunt geht es denn auch über die Bühne. Ob sich da die ausdrücklich eingeladenen Neunjährigen noch auskennen, ist die Frage. Judith Leikauf und Karl Fehringer wüten in exotischen Kostümen. Der Chor überflutet die Bühne, die erst in den solistische Szenen zu ihren großen, Waldorfschul-artigen Formen kommt.

Großes Glück aber mit den Sängern, die auch als Schauspieler gefordert sind. Roland Schneider, schon als Student der Everding-Akademie durch seine Begabung aufgefallen, räumt mit seinem perfekten Countertenor und seiner Spielbegabung ab. Als Erzähler, Flaschengeist und öliger Priester schafft er die Inkarnation des verschlagen Bösen. Ein guter Hiller’scher Schachzug, ihn mit noch zwei Frauenstimmen (Elaine Ortiz-Arandes und Frances Lucey) zum Schillern zu bringen. Ein frisches, nicht oberflächliches Liebespaar, schön bei Stimme, geben Paul Schweinester und Katharina Ruckgaber ab. Und was ein alter Theaterhase auf die Bretter stellen kann, führt Heinz Schmidpeter in verschiedenen Rollen vor. Doch es ist ein Stück – wie aus der Zeit gefallen. Möglich, dass es gerade darum sein Publikum findet.

Nächsten Vorstellungen:

am 27., 28., 29. Januar; Telefon 089/21 85 19 60.

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