„Es bleibt Rock’n’Roll“

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„Belehrendes Weltverbesserungskabarett“ ist nicht seine Sache: Hannes Ringlstetter hält der Gesellschaft lieber mit Witz einen Spiegel vor. foto: BR

Hannes Ringlstetters „Vereinsheim“ wird ab heute auch in der ARD ausgestrahlt – Am Konzept ändert sich nichts. von Zoran Gojic.

Nein, man kann nicht behaupten, dass Hannes Ringl-stetter besonders nervös wirkt, kurz vor der ARD-Premiere seines „Vereinsheims“. Er ist jetzt 44 und war vor noch nicht allzu langer Zeit eher ein Geheimtipp. Da sieht der Mann, der in Niederbayern aufgewachsen ist, keine rechte Veranlassung, ausgerechnet jetzt auszuflippen. „Grundsätzlich gilt: Ich habe noch nie einen Plan verfolgt. Als ,Vereinsheim‘ eine Fernsehsendung im BR geworden ist, war das schön, aber nie angestrebt. Und dass es jetzt in die ARD geht, finde ich partiell lustig. Wie es weitergeht, weiß man nicht. Aber nachdem ich da auch keinen Einfluss drauf habe, nehme ich es halt hin, wie es kommt.“

Das klingt nicht aufgesetzt oder bemüht. Obwohl der Mann gerade ziemlich unter Zeitdruck steht, formuliert er entspannt und bedächtig. Und durchaus selbstbewusst. Dass die ARD sein „Vereinsheim“ ausstrahlt, war zwar nie sein Ziel, aber er macht auch nicht auf falsche Bescheidenheit: „Das ,Vereinsheim‘ war genau das Format, das die ARD wollte. Ein freies Format, ein bisschen unberechenbar. Ich habe den Eindruck, dass die Verantwortlichen sehr offen sind für Neues. Mit mir kann man eh nicht anders arbeiten. Wer mich engagiert, muss damit rechnen, dass nie klar ist, was passieren wird.“ Das klingt im Gespräch nicht einmal großspurig, sondern sehr nüchtern. Er ist halt, wie er ist, der Ringl-stetter – und er hat keine rechte Lust, anders zu werden oder das Konzept seines „Vereinsheims“ umzukrempeln. „Es muss es ein bisschen kürzer werden, aber im Prinzip bleibt alles, wie es ist. Ich habe eigentlich gar nicht gemerkt, dass es jetzt bei der ARD ist. Beim Machen war es kein Unterschied zu vorher. Es bleibt Rock’n’Roll.“

Die spürbare Distanz gegenüber dem Kabarettbetrieb rührt wohl daher, dass sich Ringlstetter gar nicht als Kabarettist sieht. „Ich komme ja nicht aus dieser Szene. Ich bin Musiker, der irgendwie in die Kleinkunst reingerutscht ist. Ich bin ein Beobachter und versuche, Mikrokosmen abzubilden, in denen die Welt sichtbar wird. Belehrendes Weltverbesserungskabarett hat mich nie richtig interessiert.“ Das macht auch den Charme des „Vereinsheims“ aus, dessen ist sich Ringlstetter sehr bewusst. Es soll kein klassisches Kabarett mit Gästen sein – davon gäbe es eh schon genug: „Meine Aufgabe ist es, einen Teppich für die Kollegen auszurollen. Und denjenigen, die noch keine große Erfahrung mit Fernsehen haben, will ich das Gefühl vermitteln, gut aufgehoben zu sein. Wenn sich spontan was ergibt, machen wir es. Ich finde die Interpretation des Moderators, der den Laden zusammenhält, aber den anderen den Vortritt lässt, die charmantere Variante.“

Dass Druck den legeren Stil, den der 44-Jährige offensiv zelebriert, gefährden kann, je mehr Erfolg er hat, das weiß er. Aber er macht sich – natürlich – keine allzu großen Sorgen. „Je mehr man in der öffentlichen Aufmerksamkeit steht, desto mehr muss man damit leben, dass sich Menschen eine Meinung bilden, wer man angeblich ist. Ich nehme Ansprüche von außen mit einer gewissen Gelassenheit zur Kenntnis. Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn das ,Vereinsheim‘ gut läuft, aber wenn die ARD morgen beschließt, die Sendung nicht mehr auszustrahlen, ändert sich an meinem Leben in Wahrheit nicht viel.“

In seiner erfolglosen Zeit habe er sehr viel Energie darein gesteckt, vom Kabarett leben zu können. „Und dann wird man verkrampft und beginnt, Fehler zu machen. Daraus habe ich gelernt. Wenn den Leuten gefällt, was ich mache, ist es gut. Wenn nicht, dann mache ich es eben nicht mehr.“

Und dann lacht Ringlstetter laut, wenn man ihm trotzdem Erfolg wünscht. Es ist ein sehr ausgelassenes Lachen und klingt ziemlich jugendlich. Man muss an dieses Zitat von Bruce Spring-steen denken: „In einer Luxuslimousine kutschiert zu werden, macht nur Spaß, wenn man weiß, dass man da gar nicht reingehört“. So ähnlich fühlt sich für Ringl-stetter wohl gerade die Fahrt in der ARD an.

„Vereinsheim Schwabing“

feiert heute um 23.30 Uhr im Ersten Premiere. Weitere Folgen am 5. und 12. März.

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