BAYERISCHER LANDTAG VERSCHIEBT ENTSCHEIDUNG ÜBER KONZERTHAUS-ARCHITEKTEN

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Alles läuft auf den Siegerentwurf aus Bregenz hinaus – vor einer endgültige Festlegung sollen noch Juristen befragt werden. Foto: Cukrowicz Nachbaur Architekten/ Klaus Haag

von Markus Thiel. Sehr viel wurde im Grunde schon festgeklopft.

Dass das Münchner Konzerthaus als Eigenbetrieb des Freistaats geführt wird. Dass es zu einer öffentlichen Trägerschaft und zu keiner GmbH kommt, weil so unter anderem Spenden leichter eingetrieben werden können. Und dass, wie schon berichtet, das Bregenzer Architektenbüro Cukrowicz Nachbaur ein zweites Mal siegte – nach dem Gewinn des Wettbewerbs liegt es auch nach der anschließend üblichen Verhandlungsphase auf Platz eins.

Über all dies wurden gestern Haushalts- und Wissenschaftsausschuss des Bayerischen Landtags in einer gemeinsamen Sitzung informiert. Dennoch wird eine endgültige Beauftragung der Bregenzer aufgeschoben. Verantwortlich dafür ist ein Vorschlag des CSU-Abgeordneten Ernst Weidenbusch. Er brachte für die nächste Planungsphase eine parallele Beauftragung von Cukrowicz Nachbaur und des Zweitplatzierten, der PFP Planungs GmbH aus Hamburg, in Spiel.

Ein solcher Vorgang, so Weidenbusch, koste nur eine Million Euro mehr. Parallelverhandlungen könnten unter Umständen inhaltlichen Mehrwert bringen. Ob jedoch eine solche Doppelbeauftragung juristisch überhaupt möglich ist, darüber konnten die Vertreter der Ministerien gestern keine Angaben machen. Vor allem deshalb wurde dieses Thema auf die nächste Sitzung verschoben.

Auch wenn das Konzerthaus im Werksviertel keine bloße Abspielstätte werden soll: Ob der dortige Führungsposten ein Intendant oder ein künstlerischer Direktor sein soll, darüber herrscht Uneinigkeit. Letztere Bezeichnung hat die Nase vorn: Da der Bayerische Rundfunk mit seinen Klangkörpern ohnehin 30 Prozent der Termine belegt, so die überwiegende Meinung, könne man dem Hauptnutzer keinen starken Intendanten vor die Nase setzen.

Bauchschmerzen bereitet den Entscheidungsträgern das Thema Akustiker. Gerade weil in der Debatte – forciert durch Dirigent Mariss Jansons – der Name des Japaners Yasuhisa Toyota oft genannt wird, soll eine Vorfestlegung unter allen Umständen vermieden werden. Auch hier ist nämlich ein Wettbewerbsverfahren vorgeschrieben. Helmut Schütz, Leiter der Obersten Baubehörde, schlug vor, bei der Ausschreibung schon eine Honorarsumme vorzugeben. Sollte dies, so seine Bedenken, nicht passieren, müsste nach Wettbewerbsabschluss unter Umständen der günstigste Anbieter und damit ein „Billigheimer“ genommen werden.

Auch hier, das wurde in der Sitzung deutlich, gibt es kein abschließendes Meinungsbild. Während die einen fanden, alles andere als eine Welt-Akustik sei nicht akzeptabel, hatte Isabell Zacharias (SPD) Einwände: „Man sollte die Akustik nicht so überschätzen, dass man die Multifunktionalität des Saales, in dem ja nicht nur Klassikkonzerte stattfinden, vergisst.“ Zudem forderte sie genügend Fläche für Bildungsarbeit und Jugendaktivitäten. Derzeit geplant seien 600 Quadratmeter als Mischnutzung mit der Musikhochschule. „Damit lassen wir uns nicht abspeisen.“

Kritik gab es in Richtung Bayerischer Rundfunk. Der will sich an den Gesamtkosten von geschätzten 370 Millionen mit 65 Millionen Euro beteiligen. Die Summe setzt sich aus Mietvorauszahlungen für 30 Jahre, den Kosten fürs Erstbelegungsrecht und für die technische Ausstattung zusammen. „Da muss mehr drin sein“, forderte Michael Piazolo (Freie Wähler), „gerade für das, was der BR vom Saal profitiert“. Da außerdem ganz Bayern für das Konzerthaus zahle, müsse auch ganz Bayern davon profitieren.

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