Berlioz wie Maibock

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Andreas Martin Hofmeir

KONZERTKRITIKEN  . Münchner Philharmoniker,.

Philharmonie

Gefällig sei das Ding, das müsse er zugeben. Aber mal ehrlich: Was habe es vorher schon an Werken für sein Instrument gegeben? Die Tuba, die ist so etwas wie das schwer untersetzte Aschenputtel unter den Bläsern – kann aber durchaus durch die Partitur tänzeln, wenn Könner wie Andreas Martin Hofmeir hineinpusten. Der ist nicht nur bäriger Virtuose, sondern auch kabarettverbaler Muntermacher – weshalb ein barfüßiger Auftritt des früheren LaBrassBanda-Mannes perfekt zum Uni-Konzert der Münchner Philharmoniker passt.

Jörg Duda, Jahrgang 1968, hat Hofmeir sein Tuba-Konzert auf die Lippen und in die Finger geschrieben. Nicht gerade ein Speerspitzen-Werk der Avantgarde, in seinem kniffligen (und leicht karikaturistischen) Irrsinn allerdings bestes Notenfutter. Viel Applaus in der fast vollen Philharmonie, erst recht nach Hofmeirs satirischem Rede-Solo und einem – zwangsweise recht tief gelegten – Solo-Stück für Flöte von Telemann.

Gerahmt (und ausgestochen) wurde Dudas Opus von Berlioz. Die Ouvertüre „La Carnaval romain“ nahm Dirigent Pietari Inkinen straff und hielt sich nicht lange mit Interpretationsschlenkern auf. Ähnliches in der „Symphonie fantastique“. Der tut, so meint man zunächst, solch Geradlinigkeit ganz gut. Und doch driftete da mit den Münchner Philharmonikern vieles ins bloße Verbuchen des Notenmaterials. Die neongrellen Bizarrerien des Kopfsatzes und das Walzerduftige von „Un Bal“ hörte man weniger heraus. Dafür gab es einen reizvollen Einfall in der „Szene auf dem Lande“ mit der Fern-Oboe und viel robuste Klangpracht in den beiden Finalsätzen. Berlioz’ Rauschfantasien tönten weniger nach Absinth, eher nach Maibock – was auch ein akustisches Problem gewesen sein könnte: Die Hubpodien, so hatte Hofmeir mit feiner Ironie ausgeplaudert, waren kaputt, das Orchester musste fast ebenerdig spielen. Höchste Zeit also, dass die Bauarbeiter anrücken. markus thiel

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