VOR 20 JAHREN ERSCHIEN „HARRY POTTER UND DER STEIN DER WEISEN“, DER ERSTE ROMAN VON JOANNE K. ROWLING IN DEUTSCHER ÜBERSETZUNG

Der „Beatle“ der Kinderbuchbranche

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Von Paula Konersmann. Das Herzklopfen.

Die zittrigen Finger beim Umblättern. Die ständige Sorge, einer Lieblingsfigur könnte etwas Schreckliches zustoßen – und gleichzeitig der unbändige Drang weiterzulesen, immer weiter. Was für frühere Generationen die Wildwest-Abenteuer von Karl May waren, ist für viele jüngere Leseratten die Romanreihe „Harry Potter“. Vor 20 Jahren, am 28. Juli 1998, erschien der erste Band über den Zauberschüler in deutscher Übersetzung. Der Carlsen Verlag feiert das Jubiläum etwa mit edlen Schmuckausgaben. Ein Ende der Erfolgsgeschichte ist nicht abzusehen.

Joanne K. Rowling, die heute als eine der reichsten Frauen von Großbritannien gilt, wusste nach eigenem Bekunden bereits mit sechs Jahren, dass sie Schriftstellerin werden möchte. 1990 saß sie in einem verspäteten Zug am Londoner King’s Cross und sah – so erzählte sie es später – erstmals diesen dunkelhaarigen Jungen vor ihrem inneren Auge, der nicht wusste, dass er ein Zauberer war. Wieder zu Hause, begann sie zu schreiben. Die arbeitslose, alleinerziehende Mutter fand einen Literaturagenten, der zunächst zwölf Absagen kassierte. Dann bot Bloomsbury 1500 Pfund Vorauszahlung für „Harry Potter und der Stein der Weisen“ und druckte zunächst eine Kleinauflage von 500 Stück. Als der zweite Band erschien, war die Nachfrage bereits hoch. Ein Jahr später erhielt die Autorin tausende Briefe pro Woche. Der „Potter-Effekt“ betraf nicht mehr nur sie selbst, sondern den gesamten Markt der Kinderbuchliteratur. „Harry Potter“ sei für Kinderbücher gewesen wie die Beatles für die Popmusik, sagte die Jugendbuchautorin Julie Bertagna einmal: eine Revolution. Auch in Deutschland verbinden Eltern, Lehrer und Verlagsleute mit „Harry Potter“ bis heute die Hoffnung, Kinder – vor allem Buben – wieder für das Lesen zu begeistern.

Vom kinderfreundlichen Kampf zwischen Gut und Böse wandelte sich die Reihe zum teils düsteren Jugendbuch, das aktuelle Ereignisse reflektierte. Der Amoklauf von Columbine 1999 oder der Terroranschlag vom 11. September 2001 fanden ihren Widerhall. Politisch äußert sich Rowling heute direkt auf Twitter. Sie schreibt weiter und wirkt an der Verfilmung ihrer Werke mit, zuletzt als Produzentin der „Phantastischen Tierwesen und wo sie zu finden sind“ (2016). Ihr modernes Märchen ist noch nicht vorbei.

Zurück zur Übersicht: Kultur & TV

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare