ER FÖRDERT DAS KINO: KLAUS SCHAEFER HAT DEN FILMFERNSEHFONDS 17 JAHRE LANG GELEITET – HEUTE FEIERT ER SEINEN ABSCHIED

Bayerns Mr. Hollywood

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VOn Katja Kraft „Willkommen bei den Hartmanns“ zum Beispiel.

Simon Verhoevens Komödie über die Flüchtlingsströme nach Deutschland hat fast alles abgeräumt. Bayerischer Filmpreis, Deutscher Filmpreis, Europäischer Filmpreis, Bambi – diese und noch mehr Auszeichnungen sind auch Bestätigung für Klaus Schaefer. Denn der hat an die hochaktuelle Gesellschaftssatire von Anfang an geglaubt. Und Verhoevens Projekt mit 900 000 Euro unterstützt. Nicht als Privatmann aus eigener Tasche, sondern als Geschäftsführer des FilmFernsehFonds Bayern (FFF Bayern).

Mitte der Neunziger hat der 65-Jährige den FFF mitgegründet und leitet seit 2001 die Geschäfte. Bis jetzt. Denn nun ist Schluss. Zum letzten Mal lädt Schaefer heute zum alljährlichen „Presse Lunch“ des Fonds in München. Nachdem die Vorspeise gereicht ist, serviert er die Jahresbilanz. Und gibt dann ab an Carolin Kerschbaumer, zuvor Pressesprecherin der Staatskanzlei und stellvertretende Regierungssprecherin. Weht ab nun also ein neuer Wind durch die Büroräume an der Sonnenstraße 21? Klaus Schaefer schmunzelt. „Frau Kerschbaumer tickt sehr ähnlich wie ich. Ich glaube, das gibt einen sehr, sehr weichen Übergang.“ So, so – wie ticken sie denn, die beiden? Da kommt der promovierte Jurist, der seine Worte mit Bedacht wählt, für einen Moment ins Straucheln. „Tja, wie ticke ich?“ Wieder dieses schelmische Heinz-Rühmann-Lächeln. Aber dann ganz der aufrichtige Advokat, der Richtlinien einhält. „Vor allem weiß ich, dass ich nicht mit meinem Geld, sondern mit Geldern von anderen arbeite. Vom Steuerzahler und vom Rundfunkbeitragszahler beispielsweise. Wir sind verpflichtet, nach bestem Wissen und Gewissen dieses Geld einzusetzen, die Branche zu stärken und dafür zu sorgen, dass gute Filme entstehen. Das ist letztlich eine dienende Funktion.“

Das ist das eine. Was auch nicht schadet in dem Job: eine gewisse Filmleidenschaft – „das wäre zumindest nicht schädlich“, sagt er augenzwinkernd. Schaefer hat sie seit Jugendzeiten. Damals verteilte der junge Klaus an Geschäfte Kinoplakate, auf denen das Wochenprogramm der Lichtspielhäuser verzeichnet war. Ein Schülerjob. Jeder Ladenbesitzer erhielt als Dank, dass er die Programme für die Kundschaft aufhängte, zwei Kinokarten. Wie gut, dass die meisten sie gar nicht haben wollten und sie dem jungen Burschen schenkten – „dadurch hatte ich immer Kinotickets!“ Herrlich für einen, dessen Eltern – „aus pädagogischen Gründen“ – zu Hause keinen Fernseher erlaubten. Im Kino holte er die Reisen in die fantastischen Bilderwelten nach.

Bis heute tut er das begeistert. Kommt daher der Erfolg des FFF? Die Liste der vom Fonds geförderten Filme spricht für sich: Die Oscar-Preisträger „Das Leben der Anderen“ und „Nirgendwo in Afrika“, die Wahnsinns-Publikumserfolge „Der Schuh des Manitu“ und „Fack ju Göhte“ – woher kommt’s, dass Schaefer und sein Team bei der Vergabe von Fördermitteln so oft richtig liegen? „Vermutlich daran, dass mein gesamtes Team und alle Mitglieder des Vergabeausschusses sich tatsächlich intensiv mit den eingereichten Drehbüchern beschäftigen. Das heißt: lesen, lesen, lesen“, betont Schaefer.

Der Chef selbst ging immer mit gutem Beispiel voran: Ungefähr an 25 Wochenenden im Jahr hat er sich Zeit für das Drehbücher-Lesen genommen. Und überhaupt viele freie Abende und jede Dienstreise in Bahn und Flugzeug dazu genutzt. Doch Hand aufs Herz: immer von der ersten bis zur letzten Seite? „Immer.“ Klar merke man recht schnell, ob eine Geschichte überzeugt, ob sie schlüssig ist, eine gewisse Relevanz hat. Wenn nicht, „dann kann man schon einmal ein bisschen schräg lesen“. Aber immer zieht er es bis zur letzten Seite durch. Schon aus Neugier: „Ich will ja wissen, wie es ausgeht!“

Trotzdem kann man sich irren. Klar gab’s Projekte, gegen deren Förderung sie sich entschieden hatten und die dann mit anderen Mitteln finanziert und zum Erfolg geführt wurden. Das ist bitter, oder? Schaefer, Mann der Ausgeglichenheit, nimmt’s gelassen. „Na ja, das liegt in der Natur der Sache, würde ich sagen. Und es gibt manchmal für eine Ablehnung ja auch sachliche Gründe, die gar nichts mit dem Inhalt eines Projekts zu tun haben. Etwa, weil das Geld nicht für alle reicht. Oder weil das betreffende Projekt im Vergleich zu anderen weniger mit Bayern zu tun hat oder, oder, oder.“ Und manchmal gibt’s auch den entgegengesetzten Fall: Dass das, was man erwartet hatte, doch nicht eingehalten wird. Schließlich entscheiden Schaefer und sein Team nicht auf Basis eines fertigen Films, sondern sehen nur das Buch, die möglichen Schauspieler, den Produzenten. „Wie das Endprodukt ist, das kann kein Mensch voraussagen.“

Künftig muss er sich darum nicht mehr sorgen. Stattdessen hätte er Zeit, vielleicht einmal ein eigenes Drehbuch zu schreiben? Schnelle Antwort: „Neeee!“ Das Schreiben, das Handwerkliche, das könne man lernen. Aber selbst die Fantasie aufzubringen, eine Geschichte zu erzählen, die auch andere anspricht? Nein, das traut er sich nicht zu. Eigentlich schade. Insgeheim hatte die Autorin dieser Zeilen gehofft, dass in drei Jahren Schaefers erster vom FFF geförderter Film anläuft. „Das glaube ich nicht. Aber lassen wir uns überraschen.“ Da ist es wieder, sein verschmitztes Lächeln.

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