DAS NEUE VOLKSTHEATER AM VIEHHOF WIRD NACH PLÄNEN DER STUTTGARTER ARCHITEKTEN LEDERER RAGNARSDÓTTIR OEI REALISIERT

„Baut’s Ihr jetzt mal“

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von michael schleicher. Geht es nach Intendant Christian Stückl, wird es im Sommer des Jahres 2021 im Münchner Volkstheater ähnlich ablaufen wie einst im Mai 1992 am Flughafen in Riem.

Über Nacht ist der damals in die neu gebaute Anlage im Erdinger Moos umgezogen. So, hofft Stückl, wird es auch beim städtischen Theater sein: Bis zum letztmöglichen Tag wird im Haus an der Brienner Straße gespielt, nachts geht’s dann mit Blasmusik ins Schlachthofviertel, wo anderntags das neue Haus an der Ecke Tumblinger-/Zenettistraße eröffnet wird.

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter und seine Baureferentin Rosemarie Hingerl stellten gestern offiziell den Siegerentwurf vor, der nun auf dem ehemaligen Viehhof-Gelände realisiert wird. Die Pläne stammen vom Stuttgarter Architekturbüro Lederer Ragnarsdóttir Oei. Arno Lederer ist in München kein Unbekannter: Er leitete die Jury des Wettbewerbs für das neue Konzerthaus im Münchner Werksviertel. Für den Bau mit Haupt- und Nebenbühne, Proberaum, Foyer, Werkstätten und Lager stehen knapp 18 000 Quadratmeter zur Verfügung. Geplante Kosten: 130,7 Millionen Euro. „Es dürfen auch weniger werden“, wie Reiter mit Verweis auf die schwäbische Herkunft der Architekten schmunzelnd erklärt. „Mehr sollten es nicht werden.“

Wie berichtet, ist der Neubau notwendig, weil das aktuelle Domizil des Theaters unweit des Stiglmaierplatzes umfangreich saniert werden müsste. Doch das Gebäude ist vom Bayerischen Fußball-Verband gemietet, zudem fehlen Proben- und Lagerräume an der ehemaligen Turnhalle. „Wir haben 42 Container außerhalb der Stadt, von wo aus täglich unsere Kulissen reingefahren werden“, erzählt Stückl. Proben- und Lagerräume hat das Haus auch am Nordbad.

Damit die neue Heimat nicht am Bedarf vorbeigeplant wird, haben die städtischen Referate und die Theaterleute eine knapp 1000 Seiten starke Baubeschreibung für den sogenannten Generalübernehmer verfasst, berichtet Baureferentin Hingerl. Die 16-köpfige Jury, in der Stadt- und Stadtviertelpolitiker ebenso wie Fachleute saßen, votierte einstimmig für die Firma Georg Reisch mit ihren Partnern, den Architekten Lederer, Ragnarsdóttir, Oei, der Berliner Ingenieursgesellschaft für Theater- und Veranstaltungstechnik sowie Wolfgang Sorges Büro für Bauphysik. Dem Jury-Votum folgte der Stadtrat bei einer Gegenstimme. Nach Ablauf der Widerspruchsfrist, „exakt eine Minute nach Mitternacht am 24. Dezember haben wir der Firma Reisch den Auftrag erteilt“, erzählt Hingerl. „Nur acht Minuten später kam er unterschrieben zurück.“

Am Siegerentwurf gefällt der Jury besonders, dass er sich mit seiner Backsteinfassade nahtlos in die Umgebungsbebauung einfügt, die teilweise denkmalgeschützt ist. Durch ein Tor an der Tumblingerstraße kommt der Besucher in den Eingangshof, der in den Biergarten der Theatergastronomie übergeht. Rechter Hand finden sich die Türen zum Foyer. Der Bühnenturm ist 27 Meter hoch – damit er das Straßenbild nicht zu sehr dominiert, wurde der Hauptbau leicht zurückgesetzt. Vor allem bei der städtebaulichen Einbindung laufe der Siegerentwurf zur „Hochform auf“, urteilen die Juroren.

Derzeit werden die Winterstallungen auf dem Areal abgebrochen, die Baugrube soll ab August ausgehoben werden. Läuft alles nach Plan, wird der Neubau im Frühjahr 2021 übergeben. Bis es so weit ist, gibt es im Volkstheater noch gut 25 Premieren. Zu Generalübernehmer und Stadtvertretern sagte Stückl deshalb: „Baut’s Ihr jetzt mal. Wir spielen derweil weiter.“

Ausstellung

Der Siegerentwurf sowie drei weitere Modelle für den Neubau sind bis 15. Februar im Volkstheater, Brienner Straße 50, zu sehen. Von 19. Februar bis 2. März werden sie im Technischen Rathaus, Friedenstraße 40, gezeigt, Der Eintritt ist frei.

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