SOPRANISTIN JULIA LEZHNEVA IM PRINZREGENTENTHEATER

Barock-Slalom

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Eigentlich hat sie zwei Stimmen. Die eine flutscht und gleitet durch eng gesteckte Koloraturen-Slaloms, unangestrengt, musterhaft auf dem Atem liegend, ohne Sechzehntel-Geratter.

Die andere ist größer, dunkler, nachdrücklicher in der Tongebung und prädestiniert für Gewichtigeres à la Mozart. Man hört, wie beim Gastspiel im Münchner Prinzregententheater, dass Julia Lezhneva auf dem Sprung ist. Mit den Arien des Berliner Hofkapellmeisters Carl Heinrich Graun (1704-1759) bewegt sich die 27-Jährige gerade ein Stück aus dem Barockfach hinaus.

Es ist wie so oft die Tournee zur CD (erschienen bei Deutsche Grammophon). Man staunt über die reiche, raumgreifende Mittellage der russischen Wundersopranistin, über ihre Phrasenkontrolle, die Präsenz und den Charme, mit der sie die Opern-Häppchen serviert. Und wünscht sich doch etwas dazu: mehr Farben und eine deutlichere Diktion. Wo der Klang so im Vordergrund steht wie bei Julia Lezhneva, geht das Wort (und seine Reflexion) ein bisschen verloren. Im Verlauf des Abends besserte sich das, auch leichte Verhärtungen verschwanden. Endgültig in „Brilla nell’alma“ aus Händels „Alessandro“, als offizielles Programmfinale der bestechende, brillante Höhepunkt des Konzerts, erst recht in den Graun-Zugaben.

Schön, dass die Vokalstars mittlerweile mit Ensembles reisen, die nicht nur Beilage sein müssen. Das Kammerorchester Basel, angeführt von Konzertmeisterin Julia Schröder, gehört zu den Truppen, die extrem farbig, geschlossen und ansteckend virtuos musizieren, ohne irgendetwas auszustellen, nachzuhören auch in drei Concerti grossi von Händel. Jubel, Standing Ovations: Dass es sich bei Julia Lezhneva, die zu einem frühen Karriere-Zeitpunkt von Dirigent Marc Minkowski gefördert wurde, um eine der größten Begabungen der Barockszene handelt, steht außer Zweifel. Ihre beiden Stimmen dürfte sie bald miteinander versöhnen. markus Thiel

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