Der Bairisch Diatonische Jodelwahnsinn kommt zurück.

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Sie lassen den Jodelwahnsinn wieder auferstehen: Josef Brustmann, Otto Göttler und Neuzugang Petra Amasreiter (v. li.). Foto: Volker Lesch (fkn)

Der Bairisch Diatonische Jodelwahnsinn kommt zurück. Zwölf Jahre nach ihrer Trennung wagt die Gruppe den Neuanfang.

Mit Neuzugang Petra Amasreiter an der Geige wollen es Otto Göttler und Josef Brustmann, die das Rückgrat der Truppe bilden, noch einmal wissen. Wir sprachen mit Brustmann über alte Zeiten, neue Perspektiven und den Niedergang des politischen Kabaretts.

-Wann geht’s los mit dem neuen Jodelwahnsinn?

Am 23. April haben wir Premiere im Münchner Lustspielhaus. Davor gibt es nur ein paar Testauftritte in ganz kleinem Rahmen.

-Die Auflösung des Jodelwahnsinns im Jahr 2002 haben viele Fans bedauert. Wie kam es zur Trennung?

Wir waren zwölf Jahre lang auf Tour, und zwar ziemlich heftig. Da gibt es unterschiedlichste Reibungsverluste. Jeder hatte andere Pläne, da ist das Ganze einfach auseinandergegangen. Wir waren ja sehr erfolgreich und haben sehr viel Geld verdient, und da finde ich es rückblickend toll, dass wir einen klaren Schnitt gemacht haben und dass hinterher keiner von uns schlecht über die anderen geredet hat. Das war sicherlich auch die Voraussetzung, die einen Neubeginn jetzt möglich macht.

-Zwölf Jahre ging jeder von Ihnen erfolgreich eigene Wege. Bis heute steht aber hinter den Namen oft in Klammern „früher Diatonischer Jodelwahnsinn“. Nervt das?

Eigentlich nicht, weil es ja auch hilft. Gerade wenn man solistisch arbeitet, fängt man immer wieder von vorn an. Man muss sich das Publikum neu erspielen und man muss sich auch die Veranstalter wieder erkämpfen. Da kann der Bezug zum Jodelwahnsinn, mit dem wir uns in die Herzen der Zuschauer gespielt haben, nicht schaden. Mich hat es immer gefreut, wenn ich auf die Zeit im Jodelwahnsinn angesprochen worden bin. Der Name ist immer noch wahnsinnig präsent, und man merkt auch jetzt, dass die Veranstalter enorm ansprechen.

-Sahen Sie sich vor 20 Jahren als Pioniere?

Na ja, das Terrain war natürlich vorgespurt durch die Biermösl Blosn. Die waren schon ein bisschen das Vorbild. Aber es gab noch nicht so viele Gruppen wie heute. Dazu muss man allerdings sagen, dass es schon wieder weniger sind, die bayerisches politisches Musikkabarett machen. Das „politisch“ muss man heute immer extra dazusagen, weil das Kabarett in vielen Formen zur reinen Unterhaltung verkommen ist. Das war auch mit ein Grund für uns zu sagen: Das lassen wir jetzt nicht aussterben.

-Ist politisches Kabarett heute schwieriger?

Einerseits ist es leichter, weil unglaublich viel Material da ist. Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. (Lacht.) Die Turbulenzen sind wesentlich heftiger als früher. Gleichzeitig erschlägt einen diese Fülle geradezu. Es ist schwieriger, etwas auszuwählen und sich zu positionieren. Früher herrschte da eher dieses Rechts-Links-Denken vor, das war einfacher. Trotzdem finde ich es erstaunlich, dass sich heute viele Gruppen aus der Politik heraushalten. Ich denke, dass es wichtig ist, Position zu beziehen und Verantwortung für das zu übernehmen, was um uns herum geschieht. Das ist eine vornehme Pflicht, auch wenn man wie wir Unterhaltung macht, wobei in dem Wort Unterhaltung ja immer auch das Wort Haltung drinsteckt. Außerdem bin ich fest davon überzeugt, dass das Publikum das auch will.

-Wie kam es konkret zum Neubeginn?

Die Idee hatte Wolfgang Friedrich, mit dessen Agentur wir schon früher zusammengearbeitet haben. Der hat uns wieder zusammengeführt.

-Was ändert sich?

Unsere Sängerin und Geigerin Monika Drasch ist nicht mehr dabei. An ihre Stelle tritt Petra Amasreiter. Die singt und spielt extrem gut Geige. Außerdem spielt sie Gitarre und Blockflöte, und wahrscheinlich kann man auch  noch ein paar andere Instrumente rauskitzeln. (Lacht.)

-Ein Markenzeichen des Diatonischen Jodelwahnsinns war ein riesiges Arsenal von Musikinstrumenten. Wird das bleiben?

Auch das wird sich zeigen. Es war ja nie ein Selbstzweck. Wir haben mit wenig angefangen, aber es war dann ein lustvolles Hantieren mit Instrumenten. Wo andere einfach einen Synthesizer eingesetzt haben, haben wir ein neues Instrument mitgeschleppt. Da waren  dann schon mal große, schwere Paella-Pfannen dabei.  Da hat uns die Lust am Klang getrieben, und dafür war uns kein Aufwand zu groß.

- Was wird sich am Programm ändern?

Das weiß ich noch nicht. (Lacht.) Wir sind gerade beim Proben, und da muss man einfach schauen, in welche Richtung das geht. Gerade, wenn man ein neues Mitglied dabei hat. Das muss sich entwickeln. Vielleicht wird’s ein bisserl rockiger.

-Wer textet, wer komponiert?

Wir sind alle Generalisten. Alle drei schreiben Texte, und alle drei machen Musik.

-Wird der neue Jodelwahnsinn ein Fulltime-Job?

Nein. Alle drei haben auch noch andere Projekte. Mir ist mein Solo lieb und heilig. Das werde ich auch weiter spielen. Am 8. Januar habe ich in der Lach & Schieß Premiere mit dem neuen Programm.

-Es gibt Bands, die als GmbH firmieren. Andere haben detaillierte Verträge. Wie ist das bei Ihnen?

Da gibt’s gar nix. Uns genügt der Handschlag. Das finde ich auch sympathisch.

-Worauf freuen Sie sich am meisten?

Darauf, dass wir miteinander Musik machen. Das Schöne dabei ist, dass eins und eins nicht zwei ergibt, sondern vier oder fünf. Das schaukelt sich hoch. Wenn man allein auftritt, erlebt man das eben nicht so.

Das Gespräch führte Peter T. Schmidt.

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