NACH DER LETZTEN VORSTELLUNG HEUTE ABEND BEGINNT DER NÄCHSTE SANIERUNGSABSCHNITT DES BAYREUTHER FESTSPIELHAUSES

Bahn frei für die Handwerker

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Außen hui, innen pfui: Die Renovierung des Haues könnte bis zu 130 Millionen Euro kosten. foto: daniel karmann/ dpa

von kathrin zeilmann und Britta Schultejans. Wenn für Musiker, Sänger und Wagnerianer die Bayreuther Festspiele heute enden, rücken nur kurze Zeit später die Bauarbeiter an.

Die Sanierung des Festspielhauses geht weiter. Beim nun folgenden Bauabschnitt geht es vor allem darum, Brandschutz und Barrierefreiheit im Haus zu verbessern.

Zum Auftakt der Festspiele Ende Juli hatte Holger von Berg, der geschäftsführende Direktor des Festivals, darauf hingewiesen, dass 2026 ein Jubiläum ansteht. Dann werden 150 Jahre Festspielgeschichte gefeiert, die Verantwortlichen möchten die Sanierung des Hauses bis dahin abgeschlossen haben.

Die Herausforderung: Die Handwerker können in Bayreuth nur dann arbeiten, wenn nicht gerade geprobt oder gespielt wird. Und für die Festspielzeit im Sommer beginnen die Vorbereitungen bereits im Frühjahr. Dazu kommt, dass 2020 eine Neuinszenierung des „Ring des Nibelungen“ bevorsteht – und die Probenzeit entsprechend länger dauern wird.

In den vergangenen Jahren ist vor allem an der Fassade des Hauses gearbeitet worden. Damals wurden die Kosten für die Sanierung auf 30 Millionen Euro beziffert. Ob dieser Betrag ausreicht, ist inzwischen fraglich, man spricht von bis zu 130 Millionen Euro. Die Finanzierung tragen die Gesellschafter der Festspiel-GmbH (Bund, Freistaat Bayern, die Stadt und die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth) sowie der Bezirk Oberfranken und die Oberfrankenstiftung.

Letzte Vorstellung ist heute die „Walküre“ mit Plácido Domingo am Pult. Die dritte und letzte „Walküre“ dieser Spielzeit ist die 2694. Aufführung, die auf dem Grünen Hügel seit 1876 auf die Bühne gekommen ist. Ein Kulturspektakel mit großer, umstrittener Vergangenheit – aber auch mit Zukunft?

Zukunftsforscher Horst Opaschowski hat seine Zweifel: „Grauköpfe prägen das Erscheinungsbild. Bayreuth droht, zum Nischenmarkt für Minderheiten zu werden.“ Die Festspiele böten selbst für eine neue Generation gut betuchter Kulturinteressierter keinen großen Reiz. „Das jüngere Publikum ist ein Event-Publikum.“ Ein „elitäres Gehabe“, wie es auf dem Grünen Hügel verbreitet sei, wo die Tickets mehrere hundert Euro kosten und ein kleines stilles Wasser fünf, passe nicht zum Zeitgeist. Es sei nicht gelungen, die Festspiele zu einem echten Bayreuther Event zu machen, das die Stadt elektrisiert.

Festspielsprecher Peter Emmerich betont demgegenüber, eine Verjüngung des Publikums finde „sukzessive statt“. Nach Angaben der Festspiele gibt es noch keine Schwierigkeiten, die rund 2000 Tickets pro Aufführung an die Wagnerianer zu bringen. „Die Auslastung in diesem Jahr war wie in den vorhergehenden auch eine hundertprozentige“, sagt Emmerich.

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