Bach ohne Nachhilfe

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Die h-Moll-Messe als Gemeinschaftsaktion in der Münchner Musikhochschule Zwei Jahre Wartezeit nach einer imponierenden Matthäuspassion, das ist schon lang.

Aber eine Gemeinschaftsaktion von Münchner Madrigalchor, Studio für historische Aufführungspraxis, Hochschul-Orchester, Gesangs- und Instrumentalklassen, so etwas will im Uni-Alltag erst einmal untergebracht werden. Das jüngste Ergebnis, Bachs h-Moll-Messe im zweimal ausverkauften Großen Saal der Musikhochschule, kann sich im Biotop der Alten Musik jedenfalls locker behaupten.

Wie man Instrumente im barocken Dialekt „sprechen“ lassen kann, welche Mikroverläufe im Stimmengewirk dafür entdeckt werden müssen, welches aufeinander Hören und miteinander Kommunizieren erforderlich ist, damit ist das engagiert spielende Orchester schon weit gekommen. Die Professoren (die zum Teil mitmachten) und Dirigent Martin Steidler setzten dabei weniger auf Überwältigung – diese Aufführung missbrauchte Bach nicht zur Theatralik, sondern lud auf eine sehr natürliche, redliche Art zum Hinhören ein: Bach benötigt keine Nachhilfe durch Effekte. Auch nicht bei Dynamikwechseln, die sich, so führte man vor, ganz von selbst ergeben. Manchmal freilich rasteten Tempi nicht sofort ein, auch hätte der Kontakt zwischen Chor und Orchester enger sein können. Wenn Pauke und Trompete zu sehr antrieben, gab’s virtuose Bonbons als Entschädigung: Einen sich allmählich beschleunigenden Trompetentriller wie von Gast-Star Reinhold Friedrich hört man auch nicht alle Tage.

Solistisch schöpfte die Aufführung aus dem Vollen. Ein paar Beispiele: Sumi Hwang (Sopran), vor allem Valer Barna-Sabadus, neuer Star am Counter-Himmel, sind schon sehr weit und reif, gestalteten dementsprechend selbstbewusst. Ulrike Malotta steuerte feine Mezzo-Delikatesse bei, beim heldisch grundierten Tenor Sung Min Song hörte man einen späteren „Freischütz“-Max mit, und wie farbenreich und schön Ludwig Mittelhammers Bariton klingen kann, zeigte sich hier, im entspannten Barockgesang, besser als in mancher Akademie-Produktion. Heftiger Applaus, Trampeln – bis zu einer mutmaßlichen Johannes-Passion sollte es nicht 2015 werden. markus thiel

Zurück zur Übersicht: Kultur & TV

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare