EX-MODERATOR FRITZ EGNER ÜBER DIE NEUAUFLAGE VON „DINGSDA“ UND SEINE ERINNERUNGEN AN DIE SENDUNG

„Das Baby ist längst erwachsen“

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„Dingsda“ kehrt zurück ins deutsche Fernsehen.

Gestern übergab Fritz Egner den Stab an Mareile Höppner. Er hatte die Sendung, in der Kinder zu ratende Begriffe mit ihren Worten beschreiben, von 1985 bis 1994 präsentiert, ab Oktober übernimmt die 41-Jährige, die den Zuschauern vor allem als Moderatorin des ARD-Boulevardmagazins „Brisant“ bekannt ist. Was der 68-jährige Egner, der bis heute Radiosendungen moderiert („Fritz und Hits“) von der Neuauflage hält und an welche Geschichten aus seiner „Dingsda“-Zeit er sich besonders gern erinnert, erzählt er im Interview.

-Mit welchen Gefühlen übergeben Sie „Ihre“ Sendung?

Relativ neutral, aber schon auch mit dem Gefühl, dass mich da etwas einholt, was lange vergraben war. Es ist ja doch schon eine Weile her, dass ich mit „Dingsda“ auf Sendung war. Die letzte Ausgabe lief Mitte der Neunzigerjahre. Aber es waren immerhin neun Jahre, die ich die Sendung moderiert habe – und es war der Start meiner Karriere im Fernsehen.

-Sind Sie in der Neuauflage denn auch dabei?

Nein, das nicht. Es geht bei dem Termin darum, symbolisch den Stab an meine Nachfolgerin Mareile Höppner zu übergeben.

-Haben Sie ein bisschen Bauchgrimmen bei dem Gedanken daran, was aus Ihrem Baby geworden ist?

Ach, das Baby ist doch längst erwachsen! (Lacht.) Ich bin allerdings schon gespannt darauf, wie die Macher das umsetzen. Die Sehgewohnheiten haben sich in den vergangenen Jahren sehr verändert, die Aufmerksamkeitsspanne beim Zuschauer ist viel geringer geworden. Für „Dingsda“ braucht man aber Zeit. Kindergedanken müssen sich schließlich entwickeln, da muss man auch mal eine Pause zulassen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob die Leute sich diese Zeit heute noch nehmen.

-Kann es nicht auch sein, dass manche Zuschauer eine Sehnsucht haben nach diesen „alten“ Sendungen, nach der Langsamkeit im Fernsehen?

Möglicherweise. Andererseits kann das auch eine romantische Vorstellung sein. (Lacht.) Aber wer weiß, vielleicht gibt es ein paar Nostalgiker unter den Zuschauern. Es wäre schön.

-Sie haben Zweifel?

Es ist doch so: Die neue Generation schaut eher Netflix und Youtube. Das zu beklagen, ist überflüssig. Man kann es nicht ändern. So ist der Zug der Zeit, und ich kann mich nicht hinstellen und sagen: Schade, dass es Handys gibt, es war doch so schön mit den alten Telefonen. Ich habe selbst einen achtjährigen Sohn. Er und seine Freunde haben nicht mehr diese Aufmerksamkeitsspanne, dass sie mal über längere Zeit etwas spielen. Da muss ständig Abwechslung sein. Auch mein Verhalten den Medien gegenüber hat sich sehr verändert.

-Inwiefern?

Ich selektiere viel mehr. Sachen, die ich anschauen möchte, schaue ich in den Mediatheken, und zwar dann, wenn es mir passt. Ich schau’ seit Jahrzehnten schon nicht mehr ins Fernsehprogramm.

-Vielleicht schauen Sie demnächst mit Ihrem Sohn ganz gemütlich „Dingsda“ an?

(Lacht.) Ja, vielleicht. „Dingsda“ war aber nie eine Sendung für Kinder, sondern immer für Erwachsene. Das war lange Zeit ein Missverständnis.

-Wenn Sie auf Ihre „Dingsda“-Zeit zurückblicken – woran erinnern Sie sich sofort?

Das Erstaunliche an „Dingsda“ war, dass Gäste aus allen Bereichen dabei sein wollten – auch aus Kunst, Kultur und Politik. Bei uns waren Leute, die in keiner anderen Gameshow aufgetreten sind. Lothar-Günther Buchheim (Kunstsammler und Autor von „Das Boot“, Red.) zum Beispiel. Der kam auf Druck seiner Frau, hat sich dann aber in der Sendung unglaublich amüsiert. (Lacht.) Der Einzige, der hartnäckig nicht wollte, war Marcel Reich-Ranicki.

-Warum wollte er nicht?

Er rief mich an und sagte: „Meine Frau will unbedingt, dass ich da mitmache, aber ich mache so einen Quatsch nicht.“ Ich habe ihn im Lauf der Jahre dann noch ein paar Mal getroffen, und er hat sich für seine Absage immer wieder entschuldigt. (Lacht.) Ansonsten waren aber alle da, von Falco bis Harald Juhnke. Die Sendung hatte einfach einen sehr hohen Sympathiewert. Wir hatten teilweise zehn, zwölf Millionen Zuschauer.

-Und gibt es Kinder, die Ihnen in Erinnerung geblieben sind?

Ja, es gab einen Buben, den Maxi, der hat in einer Ausgabe Franz Josef Strauß parodiert. Da ging beim Bayerischen Rundfunk schon ein bisschen die Angst um, ob der Ministerpräsident das lustig findet oder nicht.

-Und – gab es eine Reaktion?

Allerdings! Das Büro Strauß rief am nächsten Tag in der Redaktion an, um den Maxi in die Staatskanzlei einzuladen. Strauß wollte ihn kennenlernen und ihm zu der Parodie gratulieren.

Das Gespräch führte Stefanie Thyssen.

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