DER MÜNCHNER ESPACE LOUIS VUITTON BIETET POETISCHES VON DAVID CLAERBOUT UND FLORIAN SUNDHEIMER ZEIGT KUNST AUF „VERHANDLUNGSBASIS“

Ein Augenblick des Glücks

  • schließen
  • Weitere
    schließen
David Claerbouts Werk „Algier’s Section of a happy Moment“ von 2008 bietet 600 Fotografien (von 50 000 Aufnahmen) mit Menschen und Möwen. FOto: Louis Vuitton/ Christian Kain

Von Freia Oliv. Die Galerie Schöttle (wir berichteten) wird ab 8. Juni dem Belgier David Claerbout ein aufwendig gestaltetes Ambiente für seine Arbeiten bieten; schon jetzt tut das der Espace Louis Vuitton am Max-Joseph-Platz: raus aus dem Einkaufstrubel, hinein in ein kontemplatives Erlebnis zwischen Film, Malerei und Fiktion.

Im Obergeschoss führt ein dunkler Gang in einen Kinosaal, der eine Reise jenseits von Raum und Zeit ermöglicht. „Travel“ (1996-2013) ist Claerbouts Bebilderung der beruhigenden, heiltherapeutischen Komposition des Franzosen Eric Breton.

Der Betrachter verfolgt einen Pfad durch Park, Wald, Dickicht, Urwald, zusammengesetzt aus internationalen Örtlichkeiten. Fast könnte das ein Abenteuerfilm werden. Am Ende aber ist es ein kleines Wäldchen in einer banalen Felder-Landschaft nahe einer Straße, von der aus man sich aufschwingt, den Horizont zu erkunden. Allgemeingültige Orte, die wie ein Gleichnis einer Lebens- beziehungsweise Seelenreise wirken, mit Erwartung und Wahrnehmung spielen und einen nach zwölf Minuten entlassen mit einem entrückten Gefühl, das so gar nicht in die Maximilianstraße passen will.

Also sei vorher im Erdgeschoss „The Algier’s Section of a happy Moment“ (2008) empfohlen, wo eine Auswahl von 600 Fotos (von ursprünglich 50 000) aus Algier, Ostende, Antwerpen und Belgrad um einen einzigen Moment komponiert wurde: Möwen im Flug, die Futter aus einer Hand annehmen. Was so dröge klingt, ist ein Fokussieren auf einen Augenblick voller Glück, auf eine Freiheit, die im größtmöglichen Gegensatz zur vermauerten, vergitterten Umgebung steht (bis 25. August, Mo.- Fr. 12-19, Sa. 10-19 Uhr; Maximilianstraße 2a; Eintritt frei).

Das erfrischende Gegenteil der exklusiven Präsentation im Espace Vuitton ist die launige Idee des Galeristen Florian Sundheimer, genau die Arbeiten zu zeigen, die nicht in Konzepte oder zu Ausstellungsthemen passen. Quasi als Ergebnis einer privaten und geschäftlichen Inventur knüpft er an den Ersterfolg 2016 an und zeigt unter dem Motto „Verhandlungsbasis“ sozusagen Kunst zum Mitnahmepreis.

Unprätentiös an Magnetleisten geheftet sind echte Preziosen darunter: Eduardo Paolozzis maschinenartiges Kunstkonstrukt, Odilon Redons symbolistisches, obskures Porträt, André Massons All-Over. Emilio Vedova ist mit einer Abbildung aus seiner ersten Monografie von Werner Haftmann vertreten, Kurt Schwitters mit einem Collage-Titel. Obwohl es Schnäppchenpreise sind und die üppig vertretene Druckgrafik generell günstiger ausfallen, ist durchweg Qualität geboten und zumeist eine persönliche Provenienzgeschichte. Sundheimer bietet Kunst ab sagenhaften 20 Euro an und nimmt dabei den Besuchern alle Hemmungen, die viele an einer Galerieschwelle überfallen. Kleine Einschränkung: Arbeiten wie die von Fritz Winter, die Bronzen von Herbert Peters oder das Kissenbild von Gotthard Graubner sind natürlich nicht vom Taschengeld zu bezahlen. Gesamt gesehen ist die Schau aber eine echte Gelegenheit, Spaß an Vielfalt und Entdeckungen zu haben. Einziger Nachteil: Das Angebot ändert sich minütlich, so fix wird verkauft. Heißt also: schnell zuschlagen (Pause in den Pfingstferien, danach 4. bis 30. Juni, Mi.-Fr. 14-18.30, Sa. 11-14 Uhr; Odeonsplatz 16).

Zurück zur Übersicht: Kultur & TV

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare