Aufstand gegen neue Preise

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Bezahlfernsehen Wirte von Sportbars beklagen drastische Beitragssteigerungen – Sky verteidigt Modell: „Tausende zahlen weniger“

Von Frank Thomas, Malte Busch und Rudolf Ogiermann

Gastwirte zwischen München und Flensburg laufen Sturm gegen ein neues Preismodell des Bezahlsenders Sky, das vielen Sportbars die Preise drastisch erhöht. „Der monatliche Beitrag ist von 307 auf 550 Euro gestiegen. Das ist eine Unverschämtheit“, beklagte sich Tom Hinrichs, Geschäftsführer des „Schmittz“, einer Kneipe in Berlin-Mitte. „Für Gastronomen ist das schwer hinzunehmen, man weiß nicht, wo die Preiserhöhungen noch hinführen“, schimpfte Hinrichs.

Der Münchner Pay-TV-Sender verteidigte sein neues Preismodell, das wie bisher in sechs Kategorien gestaffelt ist. „Mehr als eine Milliarde Euro werden in Deutschland jedes Jahr dank Sky in Gaststätten umgesetzt. Mit dem neuen Modell wird durch die Gewichtung von Standortfaktoren ein individueller Preis für jede Gaststätte ermittelt. Damit kommt es zu Preissteigerungen in Städten mit hoher Kaufkraft und vielen sportbegeisterten Gästen“, sagte Sky-Sprecherin Britta Krämer am Dienstag: „Aber es gibt auch Tausende Gastwirte in anderen Regionen, die weniger zahlen.“ Von einer Preisexplosion könne nicht die Rede sein, so Krämer ergänzend auf Anfrage unserer Zeitung. In der Kategorie 1 (Betriebsgröße bis 35 Quadratmeter) sinke der Preis sogar um fünf Prozent auf durchschnittlich 209 Euro, in der Kategorie 2 (bis 75 Quadratmeter) steige er um zwei Prozent auf durchschnittlich 274 Euro monatlich. Rund 80 Prozent der Sportbars fielen in diese beiden Kategorien.

Als „völlig unakzeptabel“ wertete Stephan Büttner, Geschäftsführer im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), die Preissteigerungen. Tausende Gaststätten in Deutschland seien von den Erhöhungen betroffen. „Natürlich hat Sky viel Geld für die Rechte ausgegeben. Aber man kann die brutalen Mehrkosten nicht einfach auf die Gastronomen umwälzen. Das ist nicht tragbar und auch nicht bezahlbar“, meinte Büttner.

Sky hatte die Veränderungen mit der Einführung einer „neuen, ausgewogeneren Angebots- und Preisstruktur“ begründet, bei der Bevölkerungsdichte, Kaufkraft und Sportaffinität der Region eine Rolle spielen. Damit kommt es zum Beispiel zu deutlichen Erhöhungen in Berlin, im Umland aber ändert sich das Preisniveau nicht. Andre Kobal, Chef vom „Klabautermann“ im brandenburgischen Woltersdorf, bestätigte, dass er auch von September an weiter rund 270 Euro zu zahlen habe.

In Berlin haben sich dagegen schon rund 40 Gastwirte zu einer Protestgemeinschaft zusammengeschlossen. Sie trafen sich am Montagabend im „Valentin“ und machten ihrem Ärger Luft. Für das „Brauhaus am Südstern“ steigen die Kosten um etwa 52 Prozent auf 591,91 Euro im Monat. Geschäftsführer Helmut Kurschat kündigte daher wütend das Abonnement. „Kündigung ist die einzige Sprache, die diese Firma versteht. Das ist eine unanständige Erpressung eines Monopolisten“, sagte Kurschat und beklagte, dass die Erhöhung mitten in den bis November laufenden Vertrag platzte.

Auch Katrin Mosel, Inhaberin des bei Werder-Fans beliebten Bremer Restaurants „Tinto“, hat ihre Kündigung abgeschickt. Vor sechs Wochen habe sie die Mitteilung von Sky bekommen und sich nicht nur über den Inhalt, sondern auch über die Aufmachung geärgert. „Groß wird angekündigt, was sich angeblich alles verbessert wird und unten steht klein, dass es teuer wird“, sagte sie dem „Weserkurier“. Ein Sprecher der traditionell bestens besuchten Fußballkneipe „Stadion an der Schleißheimer Straße“ in München sagte: „Wir haben allein durch das veränderte Modell eine Kostensteigerung von rund 20 Prozent.“ In zweieinhalb Jahren habe er schon über 8000 Euro für Sky bezahlt, sagte Cem Tanriverdi, Chef des „Hay Hay“ in Berlin-Kreuzberg. Auch er soll nun 50 Euro mehr berappen. „Ich habe Sky gekündigt und mich nach Alternativen umgeschaut“, meinte Tanriverdi.

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