RÜDIGER SCHÖTTLE ÜBER SEINE MÜNCHNER GALERIE, DIE HEUER IHR 50-JÄHRIGES BESTEHEN FEIERT, UND INTERNATIONALE ENTDECKUNGEN

„Asien und Afrika spielen eine wichtigere Rolle“

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Rüdiger Schöttle spielt in der höchsten Kunst-Liga. Chr. Losta

von freia oliv. Rüdiger Schöttle ist eine Institution in München: Der zierliche Herr mit der großen Zurückhaltung – Markenzeichen ist lediglich die markante Brille – steht für den Mut der Kreativität wie kaum ein anderer in der Stadt.

Ein halbes Jahrhundert lang hat er Entdeckungen gemacht, Qualität gefördert, gerne auch Unbequemes präsentiert. Sein Programm kann man so umfassen: Er beschäftigte sich mit der möglichst ansprechenden visuellen Präsenz des Intellekts. 1968 eröffnete er mit einer Bauhaus-Ausstellung und setzte in den Siebzigern als einer der Wenigen in Europa auf die Minimalisten und Konzeptualisten.

Arnulf Rainer, Hermann Nitsch, Carl Andre, Ed Ruscha, Joseph Kosuth, Sol LeWitt, Jenny Holzer, Thomas Schütte, Thomas Struth, Jeff Wall, Stefan Balkenhol – die Liste seiner Künstler ist exquisit und museumstauglich. Schöttle spielt – nicht zuletzt dank seiner Bescheidenheit – in der höchsten Kunst-Liga. Allerdings wird es zunehmend schwieriger: „Der Kunstbetrieb ist kommerzieller geworden, die großen internationalen Galerien übernehmen immer mehr.“ Künstler wie Adrian Ghenie wandern dann eben zu den mächtigen Plattformen. Schöttle als „mittelgroße Galerie“ kann nur dann mithalten, wenn sie auf viele kostspielige Messen geht. Als Entdeckergeist tut man das sogar in Hongkong. „Die Kunst ist internationaler geworden, aber auch unübersichtlicher. Der Blick in die USA ist nicht mehr so dominant, Asien und Afrika spielen eine wichtige Rolle.“

Und so zeigt Schöttle jetzt Ma Ke – in seiner Heimat China äußerst renommiert – erstmals überhaupt in einer Einzelausstellung und erstmals in Europa. Mit ihm breiten sich faszinierende Geschichten aus, die mit dem Schattenriss eines Reiters über abendsonnigen Landschaftsandeutungen einen weiten Rahmen stecken. Wie ein Artist auf dem Drahtseil balanciert er scheinbar schwere- und mühelos vor ungewöhnlich changierenden Farbströmen. Die Malerei verkörpert pure Poesie aus der Tang-Dynastie (618-907): der Reiter als Symbol für Freiheit und Aufbruch jenseits aller Zwänge. Dass Ma Ke sehr wohl um die Bedrohung der persönlichen Entfaltung weiß, spürt man in den beunruhigenden Charakteren, die nicht zum Reiter-Zyklus gehören.

Auch die zweite Ausstellung bei Schöttle versprüht Poesie: Ein fast sakraler Raum entwickelt sich bei Sophie Reinhold mit Beige- und Weißtönen, die auf den großen Paneelen aber unterschwellig, in tiefen Schichten auch Schicksale, Wünsche, Träume erzählen. Sie baut Bildflächen mit Marmormehl auf, poliert, kontrastiert matt, entwirft feine Nebel, die kantige Raumstrukturen überlagern. Wird verhüllt oder sichtbar gemacht, expandiert oder eingeschränkt, diffundiert oder zum Vorschein gebracht? Die sanften Bilder sind letztlich pure Energie: Mit der Berlinerin hat Schöttle eine äußerst passende Position gefunden.

Bis 2. Juni,

Di.-Fr. 11-18, Sa. 12-16 Uhr, Amalienstraße 41, Rgb.; Telefon 089/ 33 36 86.

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