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Ukraine-Konflikt

Kein Witz: Arte zeigt Serie, die Ukraines Präsident Selenskyj berühmt gemacht hat

Selenskyjs Partei gewinnt Parlamentswahl in Ukraine haushoch
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Juli 2019: Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, zeigt das Siegeszeichen im Hauptquartier seiner Partei. Die Parlamentswahl in der Ukraine hat die Partei des prowestlichen Präsidenten mit 43,2 Prozent der Stimmen haushoch gewonnen. 
  • Katja Kraft
    VonKatja Kraft
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Bevor er zum Volkshelden wurde, hatte Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj einen Job im Show-Business. Die TV-Serie, mit der er zum Star wurde, ist jetzt in Deutschland auf ARTE zu sehen.

Und mit einem Mal versteht man, warum Wladimir Putin das, was sich in der Ukraine in den vergangenen Jahren politisch getan hat, gar nicht lustig findet. Obwohl dort mit Wolodymyr Selenskyj bekanntlich seit 2019 ein professioneller Komiker an der Macht ist.

Noch 2015 spielte Selenskyj in der Politsatire „Diener des Volkes“ einen Geschichtslehrer, der selbst Geschichte schreibt: Über Nacht wird der Mann zum Präsidenten gewählt. Die Sendung wurde ein Hit. „House of Cards“ auf Ukrainisch gewissermaßen. Vier Jahre später gewann Selenskyj mit seiner ebenfalls „Diener des Volkes“ benannten Partei auch im echten Leben die Parlamentswahlen. Wer die 23 Folgen, die nun in der Arte Mediathek zu sehen sind, anschaut, dem ist völlig klar, warum. Man würde diesem sympathischen Typ ja selbst sofort seine Stimme geben.

Im Grunde ist die Serie der lustigste Wahlkampf aller Zeiten. Allerdings ohne dass die Zuschauer ahnten, dass der Regisseur und Hauptdarsteller später tatsächlich kandidieren würde. Heute wissen wir, wie die Geschichte in der Ukraine weiterging. Und wer das osteuropäische Land, dessen stolze Bewohner mit Leib und Seele für ihre Freiheit kämpfen, verstehen möchte, der schaue „Diener des Volkes“ an.

Im Zentrum steht der auf den ersten Blick etwas primanerhaft wirkende Wassyl Holoborodko (Selenskyj), der nach der Scheidung von seiner Frau wieder bei seinen Eltern lebt. Und nun, in Unterhemd und Boxershorts, von Premierminister Jurij Iwanowytsch Tschujko (großartig: Stanislaw Boklan) samt Leibwache des Morgens abgeholt wird. Auf, auf, Herr Präsident!

So geht sie los, die rasante, charmante, sehr, sehr witzige Persiflage auf das korrupte politische System des Landes. Da wird dem neuen Staatsoberhaupt erst einmal seine Entourage vorgestellt. Beginnend mit der Abteilung „Gesundheit und Schönheit“. Denn: „Ihr Aussehen beim Amtsantritt zeigt die Kreditwürdigkeit unseres Staates.“ Vom Friseur bis zum Visagisten sind dutzende Mitarbeiter aufgereiht. Und was macht der hübsche Kerl am Rand? „Er ist die Muse der ganzen Abteilung.“ Schon bald wundert sich Wassyl, wie sich der Premier all die Namen der schier endlosen Reihe von Mitarbeitern merken kann. Trockene Antwort: „Nun, die meisten sind Verwandte.“

So spießt die Serie offenkundig die haarsträubend wuchernde Vetternwirtschaft auf. Und auch die westlichen Regierungschefs bekommen ihr Fett weg. Wenn der neue Präsident etwa im Umgang mit anderen Staatschefs trainiert wird und so wertvolle Tipps mit auf den Weg bekommt wie: „Angela Merkel müssen Sie sachte die Hand schütteln, davon hängt die nächste Zahlung der Bundesbank ab.“

„Diener des Volkes“ auf ARTE

Die Serie ist mit deutschen Untertiteln bis 18. Mai in der Arte-Mediathek abrufbar.

2015 war das durchaus mutig. Doch Selenskyj und seine KomödiantenTruppe trafen einen Nerv. Die Menschen in der Ukraine wollten keinen Machthaber mehr nach sowjetischem Vorbild. Sie wollten einen wie den in der Serie. Der sich das luxuriöse Politikerleben nicht lange anschaut – sondern sofort Reformen einleitet und den Laden von Grund auf umkrempelt. Dass so einer dann auch außerhalb der Mattscheibe Präsident wird, muss einem machtbesessenen Mann wie Putin Angst machen. Wenn immer mehr postsowjetische Staaten die alten Zöpfe abschneiden und eine echte Demokratie anstreben, wie wirkt sich das auf Russland aus?

Einmal taucht in einem Tagtraum der russische Iwan vor Wassyl auf. Und ruft ihm zu: „Bleibt tapfer, Blutsbrüder, bald schon befreien wir euch!“ Doch der Ukrainer antwortet: „Nein danke, wir müssen nicht befreit werden. Wir gehören zu Europa.“ – Ungläubige Reaktion: „Was, welches Europa? Wir sind Slawen! Wir sind Blutsbrüder!“ Wassyl bleibt standhaft: „Wir haben unseren eigenen Weg. Geht ihr euren, wir gehen unseren.“ Der Russe schlägt ihn vor Wut zu Boden. Und der Ukrainer? Erwacht – unverletzt und stärker als je zuvor. Wie sehr wünschte man sich, dass auch hier Fiktion Wirklichkeit würde.

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