Angst und Lebenshunger

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Hervorragende Besetzung: Die Frankfurterin Mala Emde (18) spielt Anne Frank. Foto: ARD

Dokudrama . Die ARD zeigt Raymond Leys Fernsehfilm „Meine Tochter Anne Frank“ mit Mala Emde und Götz Schubert.

Von Elke Vogel

Es war Tag 761 im Versteck. An diesem sonnigen, warmen Augusttag im Jahr 1944 tauchten die Nationalsozialisten in einem Hinterhaus in der Amsterdamer Prinsengracht auf. Anne Frank, ihre Eltern, ihre Schwester und vier weitere Untergetauchte wurden verhaftet und deportiert – nachdem bei der Gestapo der Anruf eines Denunzianten eingegangen war. Millionen Menschen in aller Welt haben Anne Franks in ihrem Versteck geschriebenes Tagebuch gelesen.

Das ARD-Dokudrama „Meine Tochter Anne Frank“, zu sehen heute um 20.15 Uhr im Ersten, erzählt jetzt aus einem neuen Blickwinkel vom Schicksal des lebenshungrigen jungen Mädchens, das vor knapp 70 Jahren, im März 1945, im Konzentrationslager Bergen-Belsen starb. Mit Mala Emde („Sommer in Rom“), die bei den Probeaufnahmen zu der ARD-Produktion gerade mitten in ihren Abiturvorbereitungen steckte, wurde eine hervorragende Besetzung für die Hauptrolle gefunden. Emde spielt das 13-jährige Mädchen mit den wachen Augen als neugierigen, frechen und sehr sensiblen Teenager, der sich für Literatur genauso interessiert wie für Jungs.

Regisseur Raymond Ley („Eine mörderische Entscheidung“) stellt Annes enges, vertrauensvolles Verhältnis zu ihrem Vater Otto Frank (sehr überzeugend: Götz Schubert) in den Mittelpunkt. Außerdem wird von der unbändigen Lebens- und Entdeckerlust des pubertierenden Mädchens erzählt, das sich zu heimlichen Küssen mit Mitbewohner Peter van Pels trifft.

Der Film beginnt mit Otto Franks Rückkehr aus Auschwitz im Jahr 1945. Der Aktenschrank, der den Eingang zum Versteck verbarg, ist noch da. Und beim Anblick von Annes verlassenem Zimmer, an dessen Wänden noch ihre Zeitungsausschnitte kleben, schnürt es dem Zuschauer die Kehle zu. Miep Gies, die Helferin der Versteckten, übergibt Annes Vater das später berühmt gewordene Tagebuch. Otto Frank überlebte als Einziger der Hinterhausbewohner den Holocaust und kommt im Film in Archivaufnahmen zu Wort.

Vor der zunehmenden Verfolgung durch das nationalsozialistische Regime war Anne Franks Familie bereits 1934 aus der Heimatstadt Frankfurt am Main in die Niederlande ausgewandert. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht im Jahr 1940 verschärft sich ihre Situation, seit Juli 1942 lebt die Familie in der Illegalität. Im Hinterhaus müssen die Versteckten auf engstem Raum miteinander auskommen. Jeder Tag ist von der Angst vor Entdeckung bestimmt. Doch Anne will eigentlich nichts anderes als leben, lernen und lieben – und gerät durch ihre forsche, manchmal etwas überhebliche Art immer wieder mit den Mitbewohnern und auch ihrer Mutter aneinander.

Der Film verschränkt geschickt mehrere Erzählebenen. In die Spielszenen sind Originalaufnahmen verwoben. Wenn Anne an ihrem kleinen Schreibtisch sitzt, im Tagebuch an die imaginäre „Liebe Kitty“ schreibt und ihr Innenleben offenbart, werden an die kahlen Wände des Verstecks Szenen vom Einmarsch der Deutschen projiziert, von Verhaftungen auf offener Straße und der Verschleppung jüdischer Familien.

Sehr berührend sind die dazwischen montierten Schilderungen der Zeitzeugen. Sie erzählen von ihrer Schulzeit mit der lebhaften, gerade ihre Sexualität entdeckenden Anne – und auch von der letzten Begegnung mit ihr im Konzentrationslager. Die Filmemacher interviewten für das Dokudrama Zeitzeugen in Amsterdam, São Paulo, New York und Jerusalem. Auch die Schwester des mutmaßlichen Verräters wurde befragt.

Das Dokudrama „Meine Tochter Anne Frank“ führt dem Zuschauer vor Augen, was für einem reichen, hoffnungsvollen jungen Leben die Nazis ein grausames Ende gesetzt haben. Der Film ist ein dicht inszeniertes, stimmiges Zeugnis der Geschichte.

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