Angst um die Kommissare Die Münchner „Tatort“-Ermittler Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec über ihre Zukunft im ARD-Krimi

Stephanie Heckner,für den „Tatort“ verantwortliche BR-Redakteurin.
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Stephanie Heckner,für den „Tatort“ verantwortliche BR-Redakteurin.

Von Rudolf Ogiermann. Der eine muss sich den bohrenden Fragen der internen Ermittler stellen, der andere liegt mit einer Schusswunde in der Klinik und weiß nicht, ob er je wieder gesund wird.

Selten hat man die Münchner „Tatort“-Kommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) physisch und psychisch so ramponiert gesehen wie in „Der Tod ist unser ganzes Leben“. Ist das etwa das Ende dieses Duos – zumal die Ereignisse rund um den zweifachen Mörder Thomas Barthold (Gerhard Liebmann, siehe Kasten unten) diesmal den Keim des Misstrauens zwischen den beiden Kriminalern gesät haben?

„Nein“, beruhigt die zuständige BR-Redakteurin Stephanie Heckner: „Es geht weiter mit Batic und Leitmayr.“ Und wie. In „Die Liebe, ein seltsames Spiel“, der schon in einem knappen Monat, am 21. Mai, im Ersten zu sehen sein wird, sind alle Gebrechen, alle Selbstzweifel wie weggeblasen. Vor allem Miroslav Nemec, der eben noch alles hinschmeißen wollte, darf seine Figur aufblühen lassen. „Der Krimi erzählt von Beziehungen, von den Freuden und den Schmerzen der Liebe“, sagt der 62-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung: „Auch bei Batic gibt es eine Beziehung zu einer Frau. Das ist das Besondere für mich, dass so etwas in einem Münchner ,Tatort‘ mal wieder vorkommt.“ Und zwar mit durchaus expliziten Szenen, wie Nemec andeutet: „So etwas zu drehen, ist technisch und körperlich durchaus anspruchsvoll.“

„Batic und Leitmayr sind in einem völlig anderen Aggregatszustand“, bestätigt auch Redakteurin Heckner, der bewusst ist, dass der Zuschauer zwischen der gerade gesehenen und der nächsten Folge „einen großen Sprung“ machen muss. Das mit dem „Tatort“ sei eben „relativ kompliziert“, es gebe eine Reihenfolge in der Produktion und eine Reihenfolge in der Ausstrahlung, die nicht immer in Einklang zu bringen seien. „Die Liebe, ein seltsames Spiel“ sei, so erläutert die 54-Jährige, vor „Der Tod ist unser ganzes Leben“ entstanden, werde aber erst danach ausgestrahlt. Letztere Episode hänge aber inhaltlich mit „Die Wahrheit“ (Erstausstrahlung: 23. Oktober vergangenen Jahres) zusammen. Dass wiederum zwischen diesen beiden Folgen der Weihnachts-„Tatort“ gelegen habe, „war ein Schönheitsfehler, verschmerzlich nur, weil Weihnachten an sich ein Ausnahmezustand ist“.

Für Heckner ist die Tatsache, dass der Münchner anders als beispielsweise der Dortmunder „Tatort“ nicht horizontal erzählt werde, andererseits eine große Chance. Jede Folge sei „ein Planet für sich“, Drehbuchautor und Regisseur könnten sich so entfalten, wie es für den jeweiligen Film nötig sei: „Batic und Leitmayr ermitteln seit 26 Jahren, insofern müssen wir auch immer wieder einmal überraschen mit unseren Geschichten.“

Das sieht auch Leitmayr-Darsteller Udo Wachtveitl so. „Ich pflichte da dem Regisseur Dominik Graf bei (er inszenierte unter anderem die preisgekrönte Folge „Frau Bu lacht“ von 1995; Red.), der über den Münchner ,Tatort‘ einmal gesagt hat: ,Das Gute daran ist, dass man als Zuschauer nie weiß, was man kriegen wird.‘“ Wenn diese Maxime verbunden sei mit einem hohen Qualitätsanspruch, „dann ist das ein perfektes Rezept“. Auch die Vermutung, dass mit den in „Der Tod ist unser ganzes Leben“ gezeigten Verwundungen der Kriminaler womöglich „schon einmal so langsam der Verfall eingeläutet“ werden soll, zerstreut der 58-Jährige. „Polizisten können auch in jüngeren Jahren im Einsatz schwer verletzt werden, das kann man also durchaus unter Realismus verbuchen.“ Ganz anders Nemec’ Theorie: „Könnte doch sein, dass der Gedanke dahinter steckt: Wir sorgen dafür, dass die Fans ein bisschen Angst um die Kommissare bekommen.“

Von Amtsmüdigkeit keine Spur also bei den Münchner „Tatort“-Kommissaren, deren Interpreten versichern, einander – anders als Batic und Leitmayr diesmal im Krimi – zu vertrauen: „Wir kennen uns gut, und wir mögen uns, sonst würden wir es nicht mehr miteinander aushalten.“ Und ist die Fortsetzung der Zusammenarbeit in „Der Tod ist unser ganzes Leben“ nicht bereits explizit formuliert? „Die Wahrheit ist, dass wir noch ein paar Jahre vor uns haben, vergiss das nicht“, sagt da Leitmayr zu Batic in einer Szene kurz vor Schluss. Das ist doch mal eine Ansage.

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