„Angst tut mir gut“

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Trost für die Ehefrau: Dr. Banks (Jude Law) hat in „Side Effects“ mit Intrigen und Korruption zu kämpfen – davon bleibt auch die Beziehung zu Deirdre (Vinessa Shaw) nicht unberührt.

Jude Law über seinen neuen Film „Side Effects“, die Vorbereitung auf seine Rollen, seinen 40. Geburtstag und seine dunklen Seiten

Zwei Mal war Jude Law für den Oscar nominiert (für „Der talentierte Mr. Ripley“ und „Unterwegs nach Cold Mountain“), 2004 wurde er zum „Sexiest Man Alive“ gewählt. Von Donnerstag an kann man ihn nun als Psychiater im Pharma-Thriller „Side Effects“ erleben: Es ist der 40. Kinofilm des 40-jährigen Briten, der sich bei unserem Interview in Berlin glänzend gelaunt, charmant und selbstironisch präsentiert.

-Haben Sie sich zur Vorbereitung auf Ihre Rolle selbst in Therapie begeben?

Nein. Ich habe lange Gespräche mit Psychiatern geführt, die mir haarsträubende Geschichten aus ihrer Praxis erzählt haben. Aber ich mag gar nicht so viel über meine Recherche-Arbeit erzählen – da komme ich mir vor wie ein Zauberer, der seine Tricks verrät. Es langweilt mich, wenn Schauspieler tönen: „Ich habe neun Monate im Dschungel gelebt und meinen Urin getrunken.“ Wen interessiert das?

-Uns! Denn Regisseur Steven Soderbergh meinte, Sie würden sich geradezu obsessiv in Ihre Rollen stürzen.

Sagt er das? Hm. Es stimmt, dass mich meine Arbeit nur dann befriedigt, wenn ich Schiss vor einer Rolle habe. Die Angst tut mir gut – denn um sie zu überwinden, muss ich noch härter arbeiten, mich noch mehr hineinverbeißen. Erst dann fühle ich mich bereit. Ja, wenn ich so darüber nachdenke, hat das tatsächlich etwas Zwanghaftes! (Lacht.)

-Hatten Sie Angst vor „Side Effects“?

Ja! Ich dachte: Wie soll ich überzeugend einen Psychiater spielen? Ich habe nicht Medizin studiert. Ich habe nie eine Therapie gemacht. Ich weiß gar nicht, was die in ihren Sitzungen treiben. Ich habe keinerlei Ahnung von Psychopharmaka. Ich nehme noch nicht einmal Tabletten gegen Kopfschmerzen – geschweige denn, dass ich irgendwelche Pillen schlucken würde, wenn ich mal deprimiert bin.

-Was tun Sie dann, wenn Sie schlecht drauf sind?

Ich wurde schon früh ermuntert, diese Phasen auszukosten. Meine Mutter sagte immer: „Es ist mindestens so interessant, den Blues zu haben, als sich gut zu fühlen.“ Als Schauspieler kann ich mich wunderbar darauf herausreden, dass ich auch meine dunklen Seiten erforschen muss. Ich bin ein Morgenmuffel und wache öfters mit mieser Laune auf. Aber Jogging hilft mir, meine trüben Gedanken zu vertreiben und auf Touren zu kommen.

-Und Kaffee?

Vertrage ich nicht. Er macht mich zappelig, beschert mir Schweißausbrüche und tut meinem Magen nicht gut. Ich empfehle stattdessen grünen Tee. Aber denken Sie jetzt bloß nicht, ich wäre ein Gesundheitsapostel! Bei einem guten Whisky werde ich schwach. Scotch und Shortbread – die ideale Medizin für mein Gemüt! (Lacht.)

-Macht es Ihnen zu schaffen, dass Sie nun die 40 überschritten haben?

Nein. Irgendwie habe ich mich während der vergangenen zehn Jahre schon immer wie 40 gefühlt – wahrscheinlich, weil ich eine große Familie und viel Verantwortung für meine vier Kinder habe. Insofern hat mich der 40. Geburtstag nicht runtergezogen. Na ja, vielleicht ein kleines bisschen... Aber ich bin ohnehin sehr analytisch veranlagt und tendiere zum Grübeln – ich glaube, ich stecke in der Midlife-Crisis, seit ich 25 bin! (Lacht.) Ich bemühe mich, gegenzusteuern und mehr im Moment zu leben. Das fällt mir schwer, doch ich werde immer besser darin. Ich mache mir also keine allzu großen Sorgen über die Zukunft. Und ich versuche, nicht zurückzuschauen!

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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