BERNARD HAITINK DIRIGIERT DIE BR-SYMPHONIKER

Altersenergie

Am Pult des BR-Symphonieorchesters: der Niederländer Bernard Haitink. foto: P. meisel
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Am Pult des BR-Symphonieorchesters: der Niederländer Bernard Haitink. foto: P. meisel

von tobias hell. Altersmilde?

Das scheint für Bernard Haitink ein absolutes Fremdwort. Denn auch mit 88 Jahren bot der niederländische Maestro am Pult des BR-Symphonieorchesters nun wieder eine Vorstellung, die manch jüngeren Kollegen in Sachen Energie und Tatendrang klar in die Schranken verwies.

Was das Publikum im Gasteig hier frenetisch bejubelte, war unter anderem eine scharf umrissene Interpretation von Anton Bruckners Sechster. In zügiger Gangart, die sich bewusst von den breiten Tempi eines Günter Wand oder Sergiu Celibidache abgrenzte, deren Namen bei mehr als einem Pausengespräch im Foyer mit Ehrfurcht von den anwesenden Bruckner-Fans in den Raum geworfen wurden. Vergleiche wie diese kümmern Haitink wahrscheinlich nur wenig, und das müssen sie auch nicht. Was er präsentierte, war ein in jedem Takt überzeugender und in sich konsequent aufgebauter Gegenentwurf, der auch in extremen Momenten nie gehetzt wirkte und sich, wenn nötig, auch stets ausreichende Zeit zum Verweilen nahm.

Wunderschön zu beobachten dabei das Vertrauen in die Musikerinnen und Musiker, die Haitink mit sparsamen Gesten vor allem in den beiden rahmenden Sätzen genüsslich in die Vollen gehen ließ, nur um dann im entscheidenden Moment wieder drosselnd einzugreifen und das Ohr des gebannten Zuhörers auf delikate Details in der Partitur zu lenken. So etwa die fein herausgekitzelten, aber nie zu plakativ ausgestellten Wagner-Anklänge des letzten Satzes.

Nur schwer mithalten konnte angesichts dieser beeindruckenden Leistung der Solist des Abends, Paul Lewis. Er hatte vor der Pause eine anfangs noch nervös aufgekratzte Interpretation des zweiten Klavierkonzerts von Ludwig van Beethoven abgeliefert, die sich, abgesehen vom gelungenen zweiten Satz, oft durch einen allzu harten Anschlag und etwas zu großzügigen Pedaleinsatz selbst ein Bein stellte und so um ihre klangliche Wirkung brachte.

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