GIOVANNI ANTONINI BEI DEN BR-SYMPHONIKERN

Das alte Lied

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Giovanni Antonini am Pult des BR-Symphonieorchesters im Münchner Herkulessaal. Meisel

von markus Thiel. Ein fremder Kontinent, wo vibratolose Töne, atmende Phrasierungen und druckfreies Spiel lauern, ist dies längst nicht mehr.

Auch nicht fürs Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks: Viele Mitglieder sind, teils in anderen Formationen, seit geraumer Zeit auf dem Gebiet der Alten Musik unterwegs. Barock-Trainer werden auch deshalb gern ans Pult gebeten. Bei manchen funkt’s, bei anderen – so wie jetzt im Falle von Giovanni Antonini und seinem Bach-Programm im Herkulessaal – weniger.

Es ist das alte Lied: Die dirigierenden Experten sind dann am besten, wenn sie mit eigenen, auf ihre Körpersprache geeichten Ensembles aktiv sind. Bei Antonini und Il Giardino Armonico bringt das wunderbare Ergebnisse. Doch eine Truppe wie die vom BR braucht anderes, mehr: einen Dirigenten, der an heiklen Scharnierstellen ganz simpel den Lotsen gibt sowie musikalische Pulswechsel und Energieverläufe eindeutig vermittelt. Und einen Vorarbeiter, der sich nicht – wie hier geschehen – auf die Eigeninitiative des Chores verlässt.

Johann Sebastian Bachs Kantate „Ach Herr, mich armen Sünder“ litt darunter besonders. Zu matt, zu diffus das Klangbild des BR-Chores in der Eingangsnummer, kaum nachvollziehbar die Stimmen-Verästelungen. Besser, weil dankbarer in der musikalischen Faktur, dann nach der Pause die Kantate „Ich hatte viel Bekümmernis“. Doch dass Bach nicht nur Klangverläufe bietet, sondern auch Textauslegung und -verdeutlichung benötigt: Man hörte es an diesem Abend recht wenig heraus.

Doppelt schade war all dies, weil es auf dem Podium eine exzellente, auch in diesem Repertoire versierte Besetzung gab. Wo die Musik von sich aus viel Emotion entgegenbringt, in Carl Philipp Emanuel Bachs G-Dur-Symphonie, teilweise auch in der ersten Orchestersuite von Johann Sebastian Bach, wirkte Antonini überzeugender. Unter den Solisten agierten auf ortsüblichem Niveau nur Christina Landshamer (Sopran) und der so selbstverständlich wie klangschön phrasierende Bassist Krešimir Straanac. Der beste Sänger des Abends brauchte ohnehin keine Worte: Es war Solo-Oboist Ramón Ortega in der „Bekümmernis“-Kantate.

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